Rolf Lauter darf nicht mehr für die Kunsthalle sprechen

20.09.2007 · Presse · Mannheimer Morgen
Gestern Abend: Kulturausschuss stimmt Abberufung des Direktors einstimmig zu
Kurz beklagt wiederholte Regelverstöße

Einstimmig hat der Kulturausschuss des Gemeinderats gestern Abend zugestimmt: Dr. Rolf Lauter wird als Direktor der Kunsthalle abgesetzt. Auch wenn der Gemeinderat am 2. Oktober diesen Beschluss noch formal bestätigen muss, erteilte Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz Lauter gestern die Weisung, dass er nicht mehr für die Kunsthalle tätig werden und auch nicht, wie er das ursprünglich wollte, am Freitag der Presse eine Ausstellung erläutern und sie abends eröffnen darf.

Kurz begründete die Ablösung Lauters mit dessen "dienstlicher Leistung" und der "mangelnden Kooperationsbereitschaft", die zu einem stark gestörten Vertrauensverhältnis geführt habe. Zudem warf er ihm "wiederholte Regelverstöße" und Eigenmächtigkeiten vor. Hinter verschlossenen Türen soll Kurz dafür auch Beispiele genannt haben, etwa zu hohe Spesen für Erste-Klasse-Flüge. Hinzu kommt die Tatsache, dass sich Lauter ohne Genehmigung aus dem Rathaus als alleiniger Geschäftführer einer neuen Förder-Gesellschaft für die Kunsthalle ins Handelsregister eintragen ließ. Das Rechtsamt prüft derzeit, welche dienstrechtlichen Verstöße insgesamt vorliegen, da man fürchtet, dass Lauter den Weg der rechtlichen Auseinandersetzung geht - auch wenn mehrere Stadträte ihm davon in ihren Wortmeldungen abrieten.

In der vorherigen öffentlichen Sitzung des Ausschusses hatte die abgesagte "Goya-Manet-Picasso"-Schau im Mittelpunkt der Debatte gestanden. Dabei stellte Kurz klar, dass die Entmachtung Lauters "nicht allein auf dieser Absage basiert". Sie sei "nur ein Punkt" gewesen und hätte "den Moment der Entscheidung und der Bekanntgabe" beeinflusst. Klar sei aber, dass die Vorbereitung der Ausstellung durch Lauter "nicht so gelaufen ist, wie es fachlichen Standards entspricht".

Der OB legte dem Ausschuss dar, er habe sich als Kulturdezernent "immer wieder nachfassend und über das normale Maß hinaus begleitend" mit der Ausstellung befasst: "Es war aber sehr schwierig, konkrete Informationen zu bekommen", einen "belastbaren Gesamtüberblick" habe Lauter über Wochen hinweg nicht geliefert. Als Dezernent stehe ihm indes "kein unmittelbares Einzelweisungsrecht" zu.

Von dieser Aussage zeigte sich CDU-Stadtrat Prof. Dr. Norbert Loos "geschockt". "Wenn dem so ist, müssen wir das dringend abstellen", forderte er. Es könne nicht sein, dass jemand "so dilettantisch vorgeht und den Ruf der Stadt gefährdet". Dem widersprach Kurz unter Hinweis auf das Eigenbetriebsgesetz. Weder OB noch Dezernent sollten und dürften bei Inszenierungen, Ausstellungen oder anderen Dingen des laufenden Geschäfts eingreifen, "sie dürfen im Klinikum auch nicht mit operieren". Aber, so betonte Kurz, "wenn Leute in dieser Funktion dann einen Kunstfehler machen, müssen sie abgelöst werden" - das sei ja der Fall.

Prof. Dr. Achim Weizel kritisierte namens der Mannheimer Liste (ML), dass der Gemeinderat so lange nicht über die Ausstellung und eventuelle Probleme informiert worden sei. Es sei aber schon "sehr blauäugig" gewesen, nur zwei Jahre Vorlaufzeit einzukalkulieren, während die Reiss-Engelhorn-Museen etwa fünf Jahre planten: "Das spricht für die Überzeugungskraft und Beredsamkeit von Herrn Lauter", so Weizel. Kurz betonte, dass eine Information des Gemeinderats über solche laufenden Projekte weder vorgeschrieben noch üblich sei - zumal die Ausstellung über die von Stadt, Wirtschaft und Förderkreis getragene Ausstellungs-GmbH abgewickelt werden sollte, deren Beirat häufiger unterrichtet wurde. Aber Kurz stimmte zu, dass es "atmosphärisch" besser gewesen wäre, auch die Kommunalpolitiker einzubeziehen.

Helen Heberer (SPD) gestand der Verwaltung zu, dass sie "lange hoffte, das noch zum Positiven wenden zu können" und dann eine Information über Probleme eher geschadet hätte. Allerdings zeigte sich auf Nachfrage von Paul Buchert (CDU), dass mit der Vorbereitung des Katalogs (Buchert: "Ein Beleg für die Ernsthaftigkeit einer Ausstellung") noch gar nicht richtig begonnen worden war. "Da war man eindeutig in Verzug", räumte Kurz ein. Welche Kosten für die Ausstellungsvorbereitung schon entstanden sind, konnte er nicht beziffern. Sie liegen dem Vernehmen nach bei rund 50 000 Euro allein für Reisekosten und Spesen.

Peter W. Ragge
Mannheimer Morgen
20. September 2007