„Schulnote sechs“ für Radweg-Pläne

07.02.2019 · Presse · Mannheimer Morgen

Feudenheimer Au: Umweltverband spart nicht mit Kritik

Mit heftiger Kritik am Gemeinderatsbeschluss zum Fahrradschnellweg durch die Feudenheimer Au (wir berichteten) reagierte der Bund für Umwelt und Naturschutz (Bund): Die von der Stadt Mannheim vorgelegte Bewertung der alternativen Routen verdiene „die Schulnote 6“, so Regionalgeschäftsführer Tobias Staufenberg in einer Mitteilung. Die Verkehrsgutachter hätten in ihrer Untersuchung „problematische Schutzgüter wie den Artenschutz nicht berücksichtigt, damit hinten das gewünschte Ergebnis herauskommt“. Dies werde im anstehenden Planfeststellungsverfahren „keinen Bestand haben“, so Staufenberg.

„Verärgert“ über das Vorgehen der Verwaltung zeigte sich Grünen-Bezirksbeirat Mathias Pitz, der auf die kurzfristige Information und die „erst nach Protest“ ebenfalls kurzfristig erfolgte Einladung der Bezirksbeiräte verwies, die zu dem Thema von Gemeinderat und Stadtverwaltung gehört werden müssten. Zudem enthalte die Untersuchung über die Alternativrouten nach Pitz’ Überzeugung mehrere sachliche Fehler, etwa bei den Angaben zu Wegbreiten und Steigungen im Streckenverlauf der rund 6,1 Millionen Euro teuren Trasse.

Enttäuschung bei den Gärtnern

Dies kritisiert auch Bund-Geschäftsführer Staufenberg: „Unter Zeitdruck die gewünschte Variante durchzusetzen soll Fakten schaffen und Alternativen verhindern“, schreibt er. So werde die Akzeptanz für das „umstrittene Projekt in der Bevölkerung nicht verbessert und dem nötigen Ausbau des Radwegenetzes ein Bärendienst erwiesen.“

Mit Enttäuschung reagierten betroffene Kleingärtner auf die Entscheidung, Gärten zugunsten des Radwegebaus zu verlegen. „Manche Gärtner sind über 80 Jahre alt, für sie ist es ein schlimmer Verlust, den ein Leben lang aufgebauten Garten abgeben zu müssen“, beschrieb Markus Richter vom Kleingartenverein Feudenheim die Stimmung in der Vereinsanlage an der Feudenheimer Straße.

Richter geht allerdings davon aus, dass in Sachen Radschnellweg das letzte Wort noch nicht gesprochen sei. So müssten seiner Ansicht nach bei der Gartenverlegung auch geschütze Eidechsen umgesiedelt werden: „Davon ist aber bisher nirgendwo die Rede gewesen“, kritisiert Richter.

Bei der Abstimmung im Gemeinderat hatten 29 Stadträte und Oberbürgermeister Peter Kurz für den Fahrradschnellweg durch die Au gestimmt und 13 dagegen. Die Gegenstimmen waren von Freien Wählern, FDP und der Gruppierung Mittelstand für Mannheim sowie von den drei Grünen-Stadträten Gabriele Baier, Isabel Dehmelt und Raymond Fojkar gekommen. Außerdem votierten Bernd Kupfer (CDU), Roland Geörg (Bürgerfraktion) und Julien Ferrat (Familienpartei) gegen den Radschnellweg. Thomas Hornung (CDU) sowie die beiden Vertreter der Linkspartei enthielten sich der Stimme. Drei von 48 Stadträten waren bei der Sitzung im Ratssaal nicht anwesend.

Auf mehrheitliche Zustimmung stieß außerdem der Vertragsentwurf zum Artenschutzkonzept für den Abriss der Gebäude und die Sanierung belasteter Böden auf dem Spinelli-Gelände (wir berichteten). Die Arbeiten dort sollen in der zweiten Februarhälfte beginnen und in mehreren Abschnitten in diesem und im nächsten Jahr ausgeführt werden. Auf dem Areal müssen verschiedene naturschutzrechtlich geschützte Arten für die Bauarbeiten umgesetzt werden.