TSG soll auf Stem-Barracks, SV auf die Bezirkssportanlage

25.01.2019 · Presse · Mannheimer Morgen

Seckenheim: SPD, CDU und Freie Wähler ergreifen im Gemeinderat die Initiative / Sportstätten-Konzept für den Stadtteil gefordert 

In die seit Jahrzehnten laufende Diskussion über die Neuordnung der Sportstätten in Seckenheim kommt Bewegung: Die Fraktionen von SPD, CDU und Freien Wählern „Mannheimer Liste“ haben im Mannheimer Gemeinderat entsprechende Vorschläge eingebracht. „Die Anträge werden am 21. Februar im Sportausschuss beraten“, teilte der Leiter des städtischen Fachbereichs Sport und Freizeit, Uwe Kaliske, gestern dem „MM“ mit. Inhaltlich wollte sich Kaliske dazu jedoch nicht äußern.

Parteien weitgehend einig

In einem Punkt sind sich alle drei Fraktionen einig: Die Stadtverwaltung wird zu Verhandlungen mit dem SV über einen Geländetausch aufgefordert. Demnach soll der SV die Bezirkssportanlage übernehmen und dafür seine eigene Otto-Bauder-Anlage aufgeben – für eine „anderweitige Nutzung“. Nur der Antrag der CDU benennt diese neue Nutzung konkret: „Wohnungsbau“. Die dabei erzielten Erlöse sollten aber zweckgebunden für neue Seckenheimer Sportstätten verwendet werden.

Im zweiten Punkt unterscheiden sich die drei Anträge jedoch. SPD und Freie Wähler wollen, dass die Stadtverwaltung die Errichtung eines Sportparks auf den Stem-Barracks prüft und Pläne für eine dortige Ansiedlung der TSG erarbeitet. Die CDU dagegen will die Prüfung eines neuen Standortes für die TSG nicht nur auf die Stem-Barracks beschränkt sehen, sondern auch den Riedweg einbeziehen. Grund: Bei der dortigen Ansiedlung der Schützengesellschaft wurden „die Wege sowie die Infrastruktur mit Strom, Wasser und Abwasser bereits so dimensioniert, dass daneben noch ein Sportpark entstehen kann.“

Als einzige Partei fordert die CDU außerdem, bei der Erarbeitung eines solchen Konzeptes auch den Fußballclub Hochstätt Türkspor „angemessen zu berücksichtigen“.

Die von allen geforderte Lösung für den SV ist genau das, was sich der Verein seit Anbeginn gewünscht hat. „Da die beiden großen Vereine ihre jeweiligen Vereinsstrukturen beibehalten wollen“, wie SV-Chef Ralph Waibel, zugleich Stadtrat der SPD, unter Anspielung auf das Nicht-Zustandekommen einer gemeinsamen Lösung begründet, ist es in seinen Augen sinnvoll und notwendig, „beide Vereine mit ihren je eigenen Konzepten“ zu unterstützen.

Bauprojekt für vier Millionen Euro

Auch die Ansiedlung der TSG auf den Stem-Barracks entspricht weitgehend dem, was dieser Verein in den zurückliegenden Wochen kommuniziert hat. Der mit 2500 Mitgliedern zweitgrößte Sportverein Mannheims leidet unter einer Zersplitterung seiner zudem zu kleinen Standorte und benötigt daher ein Gelände für sein neues Bauvorhaben.

TSG-Chef Andreas Hänssler ist zunächst zufrieden, dass es für die bislang von der städtischen Sportverwaltung favorisierte Ansiedlung seines Vereins im Klettengewann angesichts der Anträge auch im Gemeinderat keine politische Mehrheit mehr gibt. Der Bezirksbeirat hatte dies ja bereits Ende des Jahres nahezu einstimmig abgelehnt.

„Klettengewann ist nicht praktikabel“, betont Hänssler: „Da wären zunächst einmal 18 Grundstücksbesitzer zu überzeugen gewesen, außerdem hätte die Lärmproblematik in unmittelbarer Nähe zum Wohngebiet für ständigen Ärger gesorgt.“

Wie Hänssler dem „MM“ erläuterte, plant der Verein ein Neubauprojekt mit 2000 Quadratmetern Nutzfläche. Herzstück ist eine Turnhalle mit zwei Gymnastiksälen und feststehenden Geräten – im Unterschied zum jetzigen Standort der TSG im Seckenheimer Schlosssaal, wo diese jeweils mühsam auf- und wieder abgebaut werden müssen.

Außerdem geplant ist ein Lehrschwimmbecken, das für den gesamten Mannheimer Süden nutzbar sein könnte. „Denn wenn das Seckenheimer Hallenbad schließt, gibt es in diesem Bereich kaum Enstprechendes mehr“, begründet Hänssler. Die Kosten für das Projekt beziffert er auf vier Millionen Euro. „Natürlich bräuchten wir dafür eine Anschubfinanzierung durch die Stadt.“

Ungeachtet der jetzigen Entwicklung ist Hänssler „nur bedingt begeistert“. Angesichts einer wachsenden Bevölkerung in Seckenheim auf Grund der Neubauquartiere könne dies allenfalls „ein erster Schritt“ sein. Die „große Lösung“ liegt seiner Ansicht nach anderswo: am Riedweg.