Frustrierte Politiker befürchten ein Verkehrschaos

28.11.2018 · Presse · Mannheimer Morgen

Oststadt/Neuostheim: Sanierung der Theodor-Heuss-Anlage stößt in den Bezirksbeiratssitzungen auf massive Bedenken

Die geplante Sanierung der Theodor-Heuss-Anlage zwischen Schubert- und Dürerstraße (wir berichteten) stößt auf starke Bedenken der örtlichen Bezirksbeiräte. Diese befürchten, dass es sowohl in der Oststadt als auch in Neuostheim zu massiven Staus kommen könnte, sollte die Strecke, wie geplant, auf eine Spur verengt, der Radweg auf die Fahrbahn verlegt werden. Vor allem bei Ligaspielen des SV Waldhof könne es zu Verkehrsbeeinträchtigungen kommen, so die Politiker.

Schwetzingerstadt/Oststadt.

„Wir dimensionieren Straßen aber nicht nach Sonderveranstaltungen“, stellte Oliver Sachs vom Fachbereich Tiefbau der Stadt bei der Sitzung im Trafohaus klar: „Durch die Verengung erwarten wir keinen Rückstau“. Dies hätten entsprechende Verkehrszählungen im Vorfeld eindeutig ergeben. Demnach fahren am Tag 7400 Fahrzeuge stadtauswärts durch die Anlage, in Spitzenstunden sind es 700. Fazit des Experten: „Wir brauchen die Fahrbahnbreite dort nicht“, die Straße sei eindeutig überdimensioniert. Und, so Sachs, es sei ein Fehler, die Straße wieder so zu markieren, der Radweg auf der Fahrbahn sei nach den Erfahrungen der Stadt eine sichere Sache.

Anrainer werden derzeit mit Flugblättern über das 1,7 Millionen Euro teure Vorhaben informiert. Hinweisschilder auf Umleitungen weisen Autofahrern den Weg (B 38a, Seckenheimer Landstraße, Eastsite). Zunächst verlegt die MVV Energie AG entlang der Ein-Kilometer-Strecke Haupt- und Seitenleitungen mittels Warmluftpressverfahren. Dadurch würden Verkehrsbehinderungen minimiert und das Wurzelwerk der Bäume geschont, erläuterte Stephan Klingmann von der MVV Netze. Autofahrer müssen sich dennoch, vor allem zwischen Januar und März 2019 stadtauswärts, auf Sperrungen einstellen. Die eigentliche Fahrbahnerneuerung – ebenfalls mit Teilsperrungen – beginnt im Juli und soll nach 17 Wochen im Oktober abgeschlossen sein.

Neuostheim/Neuhermsheim

Bei der Bezirksbeiratssitzung wurde heftig über die geplante Einspurigkeit in Richtung Neuostheim diskutiert – wegen des Radwegs auf der Straße. Stadtplaner Johanno Sauerwein erklärte: „Es geht darum, den Rad- und Fußverkehr zu verbessern und Autofahrer nicht schlechter zu stellen.“

Bezirksbeirat Wolfgang Dreyer (ML) wunderte sich über die Planung, „weil ein Fahrradweg ja schon da ist“. Dieser werde auch von höchsten drei bis vier Radfahrern täglich benutzt. Bezirksbeirat Andreas Schöber erklärte: „Man sieht das Dilemma, das mangels Bürgerbeteiligung entsteht, und die Planer die Örtlichkeiten nicht kennen.“ Dass die Bauarbeiten anfangen, obwohl noch viele Fragen, wie zur Straßenbahnhaltestelle, offen seien, ärgert die Politiker. „So kann man mit dem Bezirksbeirat und den Bürgern nicht umgehen“, fand Stadtrat Wolfgang Taubert (Mittelstandsvereinigung). Stadtrat Holger Schmid (ML) warf der Stadt „Eigenmächtigkeit“ vor: „Wenn das durchgezogen wird, gibt es hier ein Chaos“, befürchtete auch CDU-Stadtrat Steffen Ratzel. Die Planer hätten keine Ahnung, was hier los sei – etwa beim Oktoberfest, im Luisenpark, beim Technoseum oder bei Spielen im Stadion.

Noch ein Einwand: Wenn die Besucher auf der rechten Spur auf die Parkplätze abbiegen, könnten andere heute auf der linken Spur vorbeifahren. Bei Einspurigkeit würde sich die Schlange aufstauen bis zum Planetarium. Doch hier sei das letzte Wort noch nicht gesprochen, meinten die Stadträte und forderten eine Abstimmung im Ausschuss für Umwelt und Technik.