Große Mehrheit für den Erhalt des Herschelbads

13.11.2018 · Presse · Rhein-Neckar-Zeitung

Mannheim: Noch immer wird um die Zukunft des traditionsreichen Herschelbads in den Quadraten gerungen. Um den Zerfall des 1912 erbauten und unter Denkmalschutz stehenden Jugendstilbads zu verhindern, hat die Stadt schon 2012 rund neun Millionen Euro in die Sanierung von Dächern und Fassaden investiert. Überlegungen und Diskussionen, wie das ehrwürdige Bad besser und vor allem kostendeckender genutzt werden kann, gibt es schon seit einigen Jahren.

Nun soll weiter an einem Konzept gearbeitet werden. Das Ziel: vorhandene Nebenflächen wirtschaftlich besser nutzen und einzubeziehen. Durch die 2017 aufgenommenen Planungen für ein Kombibad am Standort Herzogenried habe sich auch die Perspektive für das Herschelbad verändert, sagte Baubürgermeister Lothar Quast bei der jüngsten Sitzung des Gemeinderatsausschusses für Sport und Freizeit.

Konkret entfällt durch das künftige Angebot im Kombibad für den Vereins- und Schulsport die Verpflichtung, andere Bäder für diese Zwecke bereit zu halten. Eine sich daraus ergebene Option wäre, das Hallenbad in Seckenheim zu schließen. Und auch das Herschelbad könnte anders genutzt werden, so Quast. "Dort wollen wir weiterhin Baden als Schwerpunkt anbieten. Baden bedeutet Bewegungs- und Erholungsangebote im Wasser. Keine Vereine, kein Sportschwimmen", machte der städtische Bereichsleiter Uwe Kaliske klar. Für den Badebetrieb stehen drei Schwimmhallen, ein Eingangs- und Verwaltungsbereich sowie Räume für die Technik zur Verfügung. Dazu gibt es aus alter Zeit die Wannenbäder.

Im Obergeschoss befinden sich die Sauna mit Dampfbad, ein dazugehöriger Ruhebereich sowie eine Freiluftterrasse. Dazu existieren in dem weitläufigen Gebäude weitere Flächen, die zum Teil vermietet oder völlig ungenutzt sind. In einer 2017 von der Stadt vorgestellten Konzeptstudie der Gutachterfirma Kannenwischer war für das Herschelbad "eine Nische als erholungsorientiertes Bad in historischem Ambiente" definiert worden. In der Ausschusssitzung wurden offene Fragen hinsichtlich einer sozialen Preisgestaltung, der Parkraumsituation und der vorhandenen Wirtschaftlichkeit deutlich.

"Wir sehen keine Zukunft für das Bad", meinte Holger Schmid für die ML/Freien Wähler. Es könne nicht wirtschaftlich betrieben werden, hinzu komme die schwierige Parkplatzsituation. Vertreter von CDU, SPD, Grünen, FDP und Bürgerfraktion im Ausschuss sprachen sich dagegen für den Erhalt des Bads und die Weiterentwicklung der Konzepte aus.

Das Bad schaffe ein wichtiges Angebot für die Bewohner der Kernstadt, war der einhellige Tenor der Stadträte. Doch auch die Innenräume und technische Ausstattung des Jugendstilbades müssen saniert werden. Zuletzt wurde 2014 dafür eine Summe von 43 Millionen Euro genannt.

Von Gerhard Bühler