Stadträte loben Bücherei-Pläne

21.11.2018 · Presse · Mannheimer Morgen

Bildung: Hauptausschuss des Gemeinderats spricht sich mit großer Mehrheit für Neubau der Stadtbibliothek in N 2 aus / Debatte um Kosten-Obergrenze

Es ist schon außergewöhnlich, dass die Stadträte während der Debatte das Objekt sehen, um das es geht. In der gestrigen Sitzung des Hauptausschusses war das der Fall. Wegen des Filmfestivals musste das Gremium in einen anderen Raum des Stadthauses ausweichen, und die großen Fenster dort gaben den Blick frei auf das Parkhaus in N 2, das für den Neubau der Stadtbibliothek weichen soll. Die Hauptausschuss stimmte dieser gestern mit großer Mehrheit zu. Lediglich Achim Weizel für die Freien Wähler/Mannheimer Liste und Eberhard Will (Bürgerfraktion) votierten dagegen. Die endgültige Entscheidung trifft der Gemeinderat am 4. Dezember.

Die Planungen sehen vor, das städtische Parkhaus abzureißen und dort eine neue Bibliothek zu bauen. Eine Tiefgarage darunter soll dafür sorgen, dass die knapp 290 Plätze „weitgehend“ erhalten bleiben. 33 Millionen Euro gibt die Verwaltung als Kosten an, genauer sei das erst nach einem Architektenwettbewerb zu beziffern. Derzeit hat die Bibliothek zwei Standorte – im Stadthaus sowie im Dalberghaus. Mit dem Neubau, der eine Fläche von 9500 Quadratmetern haben soll, will man alles an einem Ort zusammenführen, aber auch ein zeitgemäßes Gebäude schaffen – unter anderem mit unterschiedlich großen Räumen für Gruppen und Veranstaltungen.

Wettbewerb könnte 2019 starten

In der Debatte im Ausschuss gab es viel Lob für die Planung. „Wir wollten immer, dass die neue Bibliothek in der Innenstadt errichtet wird“, sagte Claudius Kranz für die CDU-Fraktion. Die Christdemokraten hätten zunächst die Sorge gehabt, dass zu viele Parkplätze wegfielen. „Aber der Plan findet Akzeptanz bei den Einzelhändlern.“ Kranz lobte auch, dass der Neubau über den Haushalt finanziert werde und nicht, wie zunächst geplant, über eine städtische Tochtergesellschaft. „Für uns ist aber auch klar, dass die 33 Millionen Euro eine Obergrenze sind.“

Reinhold Götz (SPD) betonte, dass seine Fraktion die Bibliothek lieber in der Neckarstadt gesehen hätte. „Aber die Mehrheit hat anders entschieden.“ Mannheim brauche eine neue Bibliothek, so Götz. Der Sozialdemokrat begrüßte auch, dass mit dem Neubau eine Neugestaltung des Dalbergplatzes verbunden sei. Vor der Kostenobergrenze von 33 Millionen warnte er allerdings. „Die Berechnungen stammen aus dem Jahr 2017, die Baukosten steigen jährlich um fünf Prozent.“

Auch die Grünen versprechen sich viel von einem Neubau. „Wir haben in anderen europäischen Städten gesehen, was der Neubau einer Bibliothek bewirken kann – für die Bildung, aber auch für eine Stadtgesellschaft“, sagte Dirk Grunert. Thomas Trüper (Linke) betonte, moderne Bibliotheken seien „große Treffpunkte“ und böten „Gelegenheiten für junge Menschen, sich zurückzuziehen und was für die Schule zu arbeiten. Das trägt auch zur Bildungsgerechtigkeit bei“. Auch Trüper warnte davor, eine Obergrenze festzulegen. Für die FDP lobte Birgit Reinemund „das gute Raumkonzept“ eines Neubaus. Und dass dieser direkt über den städtischen Haushalt finanziert werde.

Nicht einverstanden war Achim Weizel (Freie Wähler). Er hätte einen anderen Standort besser gefunden, statt das Gebäude neben dem Dalbergplatz „reinzuquetschen“. Außerdem befürchtet er den Verlust von Parkplätzen. Auch die Kosten von 33 Millionen Euro für 9500 Quadratmeter hält er für unrealistisch. „Das wäre ein Schnäppchen.“ Oberbürgermeister Peter Kurz (SPD) entgegnete, dass man bei der Kunsthalle „nicht weit weg von diesem Preis“ sei. Für Eberhard Will (Bürgerfraktion) hängt ein Neubau auf N 2 eng mit der Zukunft des Stadthauses und des Dalberghauses zusammen. Die sehe er hier nicht geklärt.

Stimmt auch der Gemeinderat zu, kann kommendes Jahr der Architektenwettbewerb beginnen und 2020 der Auftrag vergeben werden. Anfang 2023 könnte die Bibliothek dann fertig sein.