„Ja, aber“ zum Stadion-Paket

09.11.2018 · Presse · Mannheimer Morgen

SV Waldhof: Stadträte wollen neue Videoanlage finanzieren, äußern jedoch deutliche Bedenken zu weiteren Plänen

Ein leichtes Heimspiel mit hohem Sieg wird es für den SV Waldhof in der Kommunalpolitik nicht. Dass die Stadtverwaltung eine 560 000 Euro teure neue Videoanlage im Carl-Benz-Stadion bezahlen will, dagegen haben sich am Donnerstag im Sportausschuss nur Grüne und FDP ausgesprochen. Bei den weiteren Investitionen in Höhe von insgesamt 1,82 Euro Millionen für das 1994 erbaute Stadion gab es kein klares Bild.

Für einen neuen Rasen und zusätzliche Flutlichtmasten zeichneten sich zwar ebenfalls breite Mehrheiten ab. Dagegen lehnten die Vertreter von CDU, Freien Wählern/Mannheimer Liste (ML), FDP und Grünen einen Ausbau der Beschallungsanlage ab. Entscheiden müssen nun der Hauptausschuss am 20. November und der Technikausschuss am 29. November.

Warum die Eile?

„Dort, wo eine so große Menschenmenge zusammenkommt, muss die Stadt einfach für Sicherheit sorgen“, verteidigte Sport-Bürgermeister Lothar Quast (SPD) die geplante Videoanlage. Auch obliege es der Kommune als Eigentümerin, das Carl-Benz-Stadion drittligatauglich zu machen. Thorsten Riehle von der SPD sagte, Ausschreitungen bei Fußballspielen seien „kein spezifisches Mannheimer Problem“.

Bernd Kupfer von der CDU sprach in Anspielung auf Fraktionschef Claudius Kranz, der dem „MM“ auf Anfrage bereits Zustimmung zum Stadion-Paket signalisiert hatte (wir berichteten), es gebe in seiner Partei „Edelfans“, die sich bereits festgelegt hätten. Der Grüne Raymond Fojkar äußerte sich „überrascht über die Schnelligkeit“, mit der nun alles umgebaut werden soll. Ein möglicher Drittligaaufstieg des SV Waldhof stehe doch schon seit Jahren im Raum. Die Blau-Schwarzen waren drei Mal hintereinander in Entscheidungsspielen am Saisonende gescheitert. Auch Birgit Reinemund von der FDP fragte, warum man nicht abwarten könne, ob der Verein es diesmal wirklich in die höhere Klasse schaffe.

„Was wir beim Spiel gegen Uerdingen gesehen haben, war Stadtmarketing der schlechtesten Art“, kritisierte ML-Vertreter Holger Schmid. Dass sich der Verein an der Videoanlage nur mit 7000 Euro beteilige, sei „eine Unverschämtheit“. Uwe Kaliske, der zuständige Fachbereichsleiter bei der Stadt, erläuterte das Zustandekommen dieser Summe. Der DFB habe dem SVW zugestanden, diesen Teil der verhängten Geldstrafe von 25 000 Euro in die Stadioninfrastruktur zu investieren. Da sich der Verein weiter juristisch gegen das Sportgerichtsurteil wehre, sei unklar, wie viel es am Ende genau werde. Die Stadt wolle nun die vollen Kosten von 560 000 Euro bereitstellen, ihr Anteil reduziere sich dann entsprechend. Kaliske wies auch darauf hin, dass eine Erneuerung des Rasens im Stadion unabdingbar sei. Da wolle man zugleich die Rohre für eine Rasenheizung legen. Angeschlossen werden sollten diese – für weitere 470 000 Euro – aber erst nach einem Aufstieg. Gerhard Schäffner von der aus früheren AfD-Mitgliedern bestehenden Bürgerfraktion sprach sich für das Stadion-Paket aus. Bedenken dagegen äußerten Manfred Schäfer und Jan Erik Jonescheid, die dem Ausschuss als (nicht stimmberechtigte) sachkundige Einwohner angehören.

Der Ausschuss beschäftigte sich auch mit dem Herschelbad. Hier soll der Gemeinderat am 4. Dezember beschließen, dass es weiter hauptsächlich als Bad genutzt wird – allerdings nicht mehr von Schulen, Vereinen oder sonstigen Leistungsschwimmern.

Kosten und Einbauzeiten