ICE-Trasse soll bis 2019 feststehen

14.11.2018 · Presse · Mannheimer Morgen

Zugverkehr: Ausbau des Knotens Mannheim, Zukunft der östlichen Riedbahn, Neubaustrecke nach Frankfurt – Antworten auf die wichtigsten Fragen

Mit acht Bauprojekten für insgesamt eine Milliarde Euro will das Bundesverkehrsministerium den Bahnknoten Mannheim fit für den Verkehr der Zukunft machen. Das hatte die Behörde kürzlich mitgeteilt. Der von der Deutschen Bahn vorgesehene, aber in Mannheim heftig umstrittene Ausbau der östlichen Riedbahn wird dabei als bereits umgesetzt betrachtet – sehr zum Ärger von Bürgerinitiativen und Politikern in der Stadt. Zum Verlauf der ebenfalls geplanten ICE-Neubaustrecke zwischen Mannheim und Frankfurt dagegen sagte das Ministerium nichts. Wie geht es nun weiter? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Welche Ausbaumaßnahmen sind für den Bahnknoten geplant?

In Mannheim geht es um drei Projekte: die Neuordnung von Gleisen an den Einfahrtsbereichen des Hauptbahnhofs, der dreigleisige Ausbau zwischen Hauptbahnhof und Friedrichsfeld-Süd sowie eine brückenartige Eisenbahnkreuzung in Friedrichsfeld. Die anderen fünf Maßnahmen sind in der Region vorgesehen (wir berichteten). Bund und Bahn haben in je eigenen Studien – die dann zu einer zusammengeführt wurden – untersucht, welche Ausbaumaßnahmen für den Fern-, Nah- und Güterverkehr im Knoten Mannheim nötig sind. Die Projekte sind ihre Konsequenzen daraus.

Wann genau werden die Projekte in Angriff genommen?

Das ist unklar. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hat sie in die höchste Dringlichkeitsstufe eingruppiert. „Bis 2030 packen wir diese Projekte konkret an“, erklärte er. Der Bundestag muss aber erst das Geld bewilligen. „Wir können heute noch keine genaue Zeitschiene für eine Projektrealisierung angeben“, so eine Bahnsprecherin.

Was ist mit dem Ausbau der östlichen Riedbahn?

Der wird in den Planungen des Verkehrsministeriums nicht eigens erwähnt – der Ausbau „wird im Jahr 2030 als umgesetzt angenommen“, antwortete die Behörde gestern auf eine Anfrage dieser Zeitung. Bislang allerdings ist er vom zuständigen Eisenbahn-Bundesamt in Bonn noch gar nicht genehmigt. Die Bahn will auf der östlichen Riedbahn zwischen Hauptbahnhof und Käfertal auf einer Strecke von zwei Kilometern ein Gleis aus früheren Zeiten instandsetzen. Das wird dazu führen, dass die Strecke durchgängig zweigleisig ist. Die Bahn will dann deutlich mehr Güterzüge auf die Trasse schicken. Prognosen gehen von 250 bis 280 im Jahr 2025 aus. Derzeit sind es knapp 90. Streckenanwohner von Neuhermsheim bis Blumenau fürchten sich vor deutlich mehr Zuglärm.

Wie geht es bei dieser Maßnahme weiter?

Im Rahmen des sogenannten Planfeststellungsverfahrens, das alle Interessen rund um ein Bauprojekt berücksichtigen soll, hatten Anwohner im Herbst 2017 rund 2300 Einwände gegen das Projekt formuliert. Vor einigen Wochen wurde auf Einladung des Regierungspräsidiums (RP) Karlsruhe bei einem sogenannten Erörterungstermin über diese Einwendungen diskutiert. Das RP verfasst derzeit noch einen schriftlichen Bericht darüber und gibt eine Stellungnahme ab, was nach Angaben der Behörde noch einige Monate dauern dürfte. Dieser Bericht geht dann ans Eisenbahn-Bundesamt, das über den Ausbau-Antrag entscheidet. Beobachtern zufolge wird das frühestens im Herbst 2019 der Fall sein, eher später.

Wie ist die Position der Stadt- verwaltung und der Politik?

Die Verwaltung hatte schon vor einem Jahr in einer Stellungnahme zum Riedbahn-Ausbau gefordert, die Möglichkeit eines Güterzugtunnels oder einer Güterzugumfahrung zu prüfen – getragen vom gesamten Gemeinderat. Der Bundestagsabgeordnete Nikolas Löbel (CDU) verlangte dieser Tage, dass Bürger, Parteien und Verwaltung gemeinsam eine klare Forderung in Richtung Bundespolitik senden – nach einem Tunnel oder einer Umfahrung. Auch die Freien Wähler/Mannheimer Liste machen sich in einem Antrag zur nächsten Gemeinderatssitzung für eine gemeinsame Strategie mit den anderen Kommunen der Region stark. Ähnlich argumentieren Industrie- und Handelskammer und Fahrgastverband Pro Bahn. Oberbürgermeister Peter Kurz (SPD) weist in einem Brief an Löbel darauf hin, dass es mit dem Regionalforum bereits ein solches Gremium gebe, in dem sich die betroffenen Gemeinden austauschten.

Warum plant die Bahn eine neue ICE-Strecke zwischen Mannheim und Frankfurt?

Sie sieht die geplante 60 Kilometer lange, zweigleisige Strecke als Lückenschluss im Hochgeschwindigkeitsnetz. Tagsüber sollen ICE- und nachts Güterzüge fahren und so etwa die Route entlang der Bergstraße von nächtlichem Güterverkehr entlasten. Die Güterzüge von der Neubaustrecke werden nach jetzigem Stand durch Mannheim die östliche Riedbahn nutzen.

Was ist der Sachstand bei der Neubaustrecke?

Seit Dezember 2016 wird sie im Austausch mit Kommunen und Bürgerinitiativen in einem sogenannten Beteiligungsforum geplant. Im Bereich zwischen Frankfurt und Lorsch gibt es bereits einen möglichen Trassenverlauf. Zwischen Lorsch und Mannheim dagegen ist bislang lediglich ein „Korridor“ benannt. Weil man zuletzt auf die Knotenstudie gewartet habe, habe es in puncto ICE-Strecke für den Bereich Mannheim bislang keine weiteren Planungen mehr gegeben, so eine Bahnsprecherin. Die würden jetzt wieder aufgenommen. „Alle Schritte und Ergebnisse werden im Beteiligungsforum und in den Arbeitsgruppen vorgestellt und diskutiert“, so die Sprecherin. Man gehe „weiterhin von einer Trassenentscheidung 2019 aus“. Auch hier ist danach wieder ein Planfeststellungsverfahren nötig, der Baubeginn damit unklar.

Info: Dossier unter morgenweb.de/bahnlaerm

Kommentar

Strategie gefragt

Timo Schmidhuber findet, dass die Region aktiver werden muss

Bei der aktuellen Debatte darüber, auf welchen Routen der Bahnverkehr künftig durch Mannheim und die Region rollen soll, ist eines nicht oft genug zu betonen: Mit Blick auf die völlig überfüllten Autobahnen und die Schadstoffbelastung durch Pkw- und Lkw-Verkehr ist es absolut notwendig, möglichst viele Güter auf der Schiene zu transportieren. Und auch die Menschen muss man durch schnelle und attraktive Zugverbindungen sowohl im Fern- wie auch im S-Bahnverkehr zum Umsteigen vom Auto animieren. Es gilt dabei allerdings auch, den Schienenverkehr so zu gestalten, dass Anwohner an den Strecken nicht unter dem Lärm der Züge leiden.

Bund und Bahn haben jüngst ihre Pläne für den Ausbau des Bahnknotens Mannheim vorgestellt. Bei Politikern und Bürgerinitiativen vor Ort hat das für viel Unmut gesorgt, weil sie dadurch künftig massiven Zuglärm befürchten. Wenn sie daran etwas ändern wollen, muss die Region jetzt stärker gemeinsam aktiv werden. Alle betroffenen Kommunen müssen zusammen ein Konzept für den Bahnverkehr durch die Region formulieren. Dazu muss die Region auch selbst Geld in die Hand nehmen und eigene Gutachten in Auftrag geben. Die müssen Fragen wie die folgenden klären: Ist ein Tunnel durch Mannheim überhaupt realistisch und was würde er kosten? Ist eine Güterzugumfahrung möglich und wo könnte sie verlaufen? Und könnte man den Güterverkehr auch „aufteilen“ und Mannheim entlasten, indem man linksrheinische Strecken verstärkt nutzt?

Bahn und Bund werden diese Fragen für die Region nicht klären. Auch die Stadt Offenburg, die jetzt einen Güterzugtunnel bekommt, hat eine Million Euro in Gutachten investiert, um argumentieren zu können. Die Region Rhein-Neckar muss sich ebenfalls eine Position erarbeiten – und deren Umsetzung dann in Berlin massiv einfordern. Denn sonst besteht die Gefahr, dass sie von den Plänen der Bahn einfach überrollt wird.