„Ein Filetstück in Mannheim“

24.10.2018 · Presse · Mannheimer Morgen

Gemeinderat: Gremium beschließt mit großer Mehrheit den Rahmenplan für die ehemalige Militärfläche Spinelli

Noch einmal war die Diskussion emotional, doch am Ende stand die dicke Mehrheit für den Rahmenplan Spinelli. Er setzt sich zusammen aus dem städtebaulichen Entwurf des Büros Wessendorf und aus den Planungen für den Grünzug von RMP Lenzen. Mit ihm kann die Stadt nun die weitaus detailliertere Planung für das Wohngebiet am Rand von Käfertal Süd und Im Rott angehen.

„Wir wollen keine Mauer rund um Mannheim bauen!“, sagte SPD-Stadtrat Reinhold Götz. Er erinnerte mit dem Satz an die Tatsache, dass es durch den vorhandenen Zuzug in die Stadt einen steigenden Bedarf an Wohnraum gebe. Gleichzeitig nannte er die Möglichkeit, Wohnungsbau und gleichzeitig riesige Grünflächen zu entwickeln, eine „Chance, um die uns andere Kommunen beneiden“.

Sozialquote auf Spinelli

Den Kompromiss, dass aus den geplanten 2400 nun 1800 Wohnungen wurden, könne die SPD-Fraktion mittragen. Götz lobte die Tatsache, dass auf Spinelli die 30-Prozent-Quote bei Mietwohnungen Anwendung finde (auch Sozialquote genannt). Demnach müssen bei Neubauprojekten ab zehn Wohneinheiten mindestens 30 Prozent davon als bezahlbare Mietwohnungen entstehen. Die Obergrenze liegt hier bei 7,50 Euro pro Quadratmeter.

Dirk Grunert, Vorsitzender der Grünen-Fraktion, findet den Rahmenplan „eine gute Grundlage“, der unterschiedlichen Interessen gerecht werde: Schaffen von Wohnraum und Erhalt von Grünflächen. Erfreulich sei, dass die Planer auf eine durchgängige Bebauung am Rand des Gebiets hin zum Freigelände verzichten. Im ursprünglichen Plan war die Häuserfront geschlossen. „Das ist hoffentlich ein Vorbild für andere Bauvorhaben in der Stadt.“ Grunert pochte darauf, dass die hohen energetischen Ansprüche für den ersten Abschnitt auch in anderen umgesetzt werden.

Das neue Wohngebiet sei „hochattraktiv, ein Filetstück in Mannheim“, sagte CDU-Fraktionschef Claudius Kranz. Deshalb sei es positiv, dass die Zahl der geplanten Wohnungen im Laufe der Diskussion von 2400 auf 1800 verringert wurde. Wie Grunert findet auch Kranz, dass es „völlig richtig“ sei, keinen einheitlichen Block am Rand zu planen. „Die Durchlässigkeit lockert das Wohngebiet auf“, sagte er. Dieses Umdenken habe der CDU ermöglicht, dem Rahmenplan zuzustimmen.

Trotzdem sehe seine Fraktion noch Diskussionspunkte, etwas in der Höhe der Eigentumsquote. Die Verkehrssituation und die Stärkung der Frischluftzufuhr seien wichtige Punkte für den weiteren Prozess.

Volker Beisel (FDP) beklagte die „zu großen Eingriffe in Fauna und Flora“ wie die geplanten Radschnellwege, den Erhalt der U-Halle oder die Aussichtsplattform am Aubuckel. Kritik übte er an der Verkehrsanbindung. Die sei „nicht sinnvoll gelöst“. Wichtig findet Beisel aber, dass gebaut wird, deswegen solle man sich nicht über die Höhe der Eigentumsquote streiten.

Auch für Roland Weiß (ML) ist der Verkehr „noch nicht ausreichend gelöst“. Er bezeichnet die Stellplatzquote von 0,8 als „fragwürdig“. Die 30-Prozent-Quote zugunsten günstigen Wohnraums nannte Weiß einen Taschenspielertrick, weil dadurch die übrigen 70 Prozent der Wohnungen deutlich teuerer werde.

Kritik an Gebäudehöhe

„Handwerklich gut gemacht“, sagte Eberhard Will (Bürgerfraktion) zum Rahmenplan, nicht alle Punkte darin seien allerdings gut. Er kritisierte, dass manche Gebäude fünf Stockwerke hoch würden und dass man über die Stellplatzquote Menschen zu einem Sinneswandel erziehen wolle. Dies sei eine „ideologisch begründete Zwangsverfügung“.

Auch Wolfgang Taubert (Mittelstand für Mannheim) nörgelte über die 30-Prozent-Quote: „Potente Mieter zahlen den Preis mit.“ Linke-Stadtrat Thomas Trüper wiederum bezeichnete die Quote als „essenziell wichtig“. Er sah einen „erheblichen Nachholbedarf“ in Mannheim im Segment „leistbar“. Junge Familien könnten sich nicht einfach so mit 600 000 Euro verschulden, um sich ein Haus zu kaufen.