Große Umfrage unter allen Vereinen

12.09.2018 · Presse · Mannheimer Morgen

Wallstadt: Stadt und Bürgerinitiative prüfen Bedarf für Planung eines Kultur- und Sportzentrums / IWV-Chefin Manuela Müller: „Habe das Gefühl, dass es vorangeht“

un sind die Bürger in Wallstadt gefragt. Die Interessengemeinschaft Wallstadter Vereine (IWV) und die Bürgerinitiative Wallstadt wollen nachweisen, wie hoch der Bedarf für ein neues Kultur- und Sportzentrum in dem Stadtteil ist. Deshalb sind im Ramen einer großen Umfrage an alle Vereine und Organisationen Fragebögen gegangen, die noch im September beantwortet werden sollen.

Die Bürgerinitiative hatte sich im April gegründet. Seither habe sich „einiges getan, um unserem Ziel näher zu kommen“, so Thomas Müller („Sängerkreis“), einer der Sprecher der Initiative, in seinem Rundbrief an alle Vereine. Das bestätigt Manuela Müller, die Vorsitzende der IWV. „Auf jeden Fall, ich habe das Gefühl, dass es weitergeht, dass es vorangeht“, so Manuela Müller.

Gespräch mit Oberbürgermeister

Zunächst nutzten die IWV und die Bürgerinitiative die Chance, dass der Oberbürgermeister zur Sprechstunde nach Wallstadt kam. „Er kannte das Problem schon, er hat sich viel Zeit für uns genommen“, berichtet Manuela Müller. Man habe dadurch „ein Prüfverfahren angestoßen, das unsere Forderungen und Ideen in eine, für die Stadtverwaltung verständliche und nachprüfbare Form bringen soll“, so Thomas Müller.

Darauf folgte eine Gesprächsrunde mit Peter Myrczik. Er leitet den Fachbereich Rat, Beteiligung und Wahlen der Stadt, war bereits bei der Gründungsversammlung der Bürgerinitiative dabei. „Der hat das sehr engagiert gemacht“, lobt ihn Manuela Müller. Mit am Tisch saßen Vertreter des Fachbereichs Sport und Freizeit der Stadt, des Kulturamtes und des Immobilienmanagements. Erörtert wurden mögliche Standorte und der konkrete Bedarf.

Danach gab die Stadt den Wallstadtern zahlreiche Fragen mit auf den Weg und half, die Bögen für die Umfrage zusammenzustellen. Gestaltet hat sie dann Annett Peschke, eine in der Bürgerinitiative engagierte Webdesignerin. Dabei gibt es zwei Bögen – um regelmäßige Termine wie Singstunden, Sitzungen und Training zu erfassen, aber auch für unregelmäßige Veranstaltungen vom Konzert bis zur Prunksitzung.

Das Ausfüllen mache „sicherlich etwas Mühe“, gesteht Thomas Müller. „Doch nur so kann eine realistische Planung von Raumanzahl, Raumgröße, Nebenräumen und Verortung eines möglichen Bauplatzes erfolgen“, erklärt er: „Hier muss jeder Interessent seinen Raumbedarf im Einzelnen durchforsten und niederschreiben“, bittet er. Dabei geht es um aktuellen Bedarf – aber auch Ideen und Wünsche für die Zukunft oder bisher (mangels Räumen) nicht realisierte Projekte. Man müsse der Stadt alles eben „in nachprüfbarer Form“ belegen.

Sorge um soziales Leben im Ort

„Hierbei sollten wir alle davon ausgehen, dass die bisher bestehenden Veranstaltungsstätten und Sporthallen in nur wenigen Jahren nicht mehr zur Verfügung stehen werden“, mahnt Thomas Müller in seinem Rundbrief an die Vereine: „Das katholische Gemeindezentrum wird in dieser Form definitiv aufgegeben. Andere, noch bestehende Räume, werden folgen“, fürchtet er. Schließlich stehe auch beim Evangelischen Gemeindehaus eine Sanierung an.

„Wir dürfen also nicht aus heutiger Sicht den Bedarf betrachten, sondern aus der Situation heraus, dass keine Räume für Kultur- und Sportveranstaltungen jeglicher Art, für Jubiläumsveranstaltungen, für Besprechungen oder für Mitgliederversammlungen mehr zur Verfügung stehen werden“, so der Sprecher der Initiative. Sollte diese Situation eintreten, „wäre dies der Todesstoß sämtlicher kulturell und sportlich aktiver Vereine und würde das soziale Leben im Stadtteil Wallstadt extrem negativ beeinflussen“.

„Umso wichtiger ist, dass jetzt wirklich alle mitmachen und sich beteiligen“, appelliert Manuela Müller an die Wallstadter. Bisher sei der Rücklauf der Mitte August verschickten Fragebögen „eher schleppend“ verlaufen, „aber das liegt sicher an der Ferienzeit“, denkt die IWV-Vorsitzende.

Anträge von CDU und ML

Thomas Müller hebt hervor, dass es nicht allein um Proben- oder Sportgruppen geht. „Auch jede Besprechung oder Mitgliederversammlung, jeder Lagerraum stellt einen Raumbedarf dar, die erfasst werden muss“, betont er. Dabei reiche das Spektrum von der Krabbelgruppe über Bandproben bis zum Seniorenkreis, von Elterntreffen bis zu Flohmärkten. Nur so könne man gegenüber der Stadt ein komplettes Bild des Wallstadter Vereinslebens darlegen. „Wir werden das prüfen, daraus ein konkretes Raumkonzept erstellen und damit Standorte suchen“, erläutert Theresa Brennecke vom Fachbereich Rat, Beteiligung und Wahlen der Stadt auf „MM“-Anfrage das weitere Vorgehen.

Thomas Müller wertet dieses Prüfverfahren „als positive Entwicklung“ und ist „zuversichtlich, dass unsere Kommune die Notwendigkeit solch einer neuen Einrichtung in Wallstadt erkennen wird“, so der Sprecher der Initiative. Er sieht „die Chancen auf Umsetzung unserer Forderungen sehr gut“. Ganz so optimistisch äußert sich Manuela Müller zwar nicht, „aber es geht voran, das schon, auch wenn die Richtung noch nicht so klar ist“, wie sie meint.

Im Gemeinderat haben CDU und Mannheimer Liste Anträge zu dem Thema gestellt. Sie fordern die Stadt neben einer Neubauplanung auf, mit der katholischen Gemeinde zu sprechen, damit in der Übergangszeit das Gemeindezentrum weiter genutzt werden kann. Beide Anträge stehen am 18. September auf der Tagesordnung des Hauptausschusses, doch ist erfahrungsgemäß – da die Prüfung läuft – mit keiner Debatte oder Entscheidung zu rechnen.