Stadträte üben heftige Kritik

12.07.2018 · Presse · Mannheimer Morgen

Kunsthalle: Um die Hälfte gestiegene Kosten für Außenanlagen noch nicht genehmigt

Der Hauptausschuss des Gemeinderats muss sich nächste Woche noch einmal mit den Kosten der Außenanlagen der Kunsthalle befassen. Der Kulturausschuss wollte am Mittwoch nicht zustimmen, dass die Stadt statt der geplanten 2,059 Millionen nun 3,145 Millionen Euro ausgeben wird. Auch ein Kompromissversuch von Kulturbürgermeister Michael Grötsch scheiterte, obwohl Baubürgermeister Lothar Quast – eigens zu dem Tagesordnungspunkt von einem Architektenwettbewerb hinzugeeilt – die Kosten sehr ausführlich begründete (wir berichteten).

Von den Stadträten hagelte es teils heftige Kritik. „Sehr unzufrieden“ äußerte sich für die SPD Heidrun Kämper: „Wir sehen ein, dass dieser Bau schwierig war – aber der Umfang der Erhöhung stört uns doch sehr! Da hätte man viel vorher wissen müssen“, kommentierte sie die Begründung, es sei „Unvorhergesehenes“ passiert. „Das hätte man anders machen müssen und können“, meinte Thorsten Riehle (SPD).
 

„Unprofessionell gehandelt“

Jens Kirsch (CDU) erinnerte daran, dass die privatrechtliche Stiftung beim Neubau der Kunsthalle durch „hochprofessionelle Bauleitung“ trotz unvorhergesehener Probleme das Budget eingehalten habe. Die Stadt dagegen habe „offensichtlich unprofessionell gehandelt“. „Die Planungen waren etwas blauäugig, sie haben uns nicht wirklich überzeugt“, kritisierte Claudius Kranz (CDU) die Verwaltung. Er sah den Gemeinderat „in einer Zwangslage“: „Was passiert, wenn wir die Vorlage ablehnen?“, fragte er, es sei ja bereits gebaut und bezahlt.

Birgit Reinemund (FDP) erklärte daher, sie wolle allenfalls „mit der Faust in der Tasche“ zustimmen und monierte, die Verwaltung hätte „früher und klarer informieren müssen“. Nur „unter heftigem Protest“ wollte auch Achim Weizel (ML) zustimmen: „Ein Großteil der Überraschungen war doch zu erwarten, die Bäume dort sind ja nicht plötzlich gewachsen“, hielt er der Stadt vor. Ähnlich argumentierte Gerhard Schäffner (Bürgerfaktion): „Die unbekannten Leitungen im Boden – die sind ja fast ein Running Gag, die tauchen immer auf“, äußerte er Unverständnis. Einzelstadtrat Julien Ferrat fürchtete „kein gutes Omen für die Nationaltheater-Sanierung“.

Gerhard Fontagnier (Grüne) lobte zwar das nun entstandene Areal, aber äußerte Unverständnis über die Erhöhung der Kosten: „Wir wollen nicht, dass das Schule macht“, sagte er, zumal man im Kulturausschuss sonst über Beträge von 10 000 Euro „feilschen“ müsse. Grüne und SPD wollten die Verwaltungsvorlage auch deshalb nicht passieren lassen, weil die Stadt einen Teil von 605 000 Euro der Mehrkosten von 1,086 Millionen Euro dadurch abdecken will, dass man eine 2011 auf dem Jugendstilbau geplante Solaranlage doch nicht realisiert hat. Sie konnten die Aussage von Stephan N. Barthelmess, dem Kaufmännischen Leiter der Kunsthalle, nicht nachvollziehen, diese sei „wirtschaftlich nicht zu betreiben“. Die genaue Berechnung dafür soll er nun bis nächste Woche nachreichen.

Der andere Teil der Mehrkosten werde durch einen Zuschuss aus Städtebauförderungsmittel des Landes gedeckt, für den inzwischen die Zusage vorliege, erklärte Quast. Die Stadträte monierten aber, dass dieses Geld dann wieder bei anderen Projekten fehle.