„Mit uns nicht zu machen“

06.07.2018 · Presse · Mannheimer Morgen

Feudenheim: Bezirksbeiräte sprechen sich klar gegen die Ansiedlung eines zentralen Grünbetriebshofes auf Spinelli aus

Der vom Fachbereich Grünflächen und Umwelt geplante zentrale Grünbetriebshof auf Spinelli ist in der jüngsten öffentlichen Bezirksbeiratssitzung erneut auf breite Ablehnung gestoßen. Auch wenn die angekündigte Beschlussvorlage in der verwaltungsinternen Abstimmung hängengeblieben ist, so dass das Stadtteilgremium bis zur Sitzung des Ausschusses für Technik und Umwelt am 17. Juli kaum mehr die Möglichkeit haben wird, eine Empfehlung abzugeben, fiel das Votum eindeutig aus: Kein zentraler Grünbetriebshof in Feudenheim.

Dabei war Umweltbürgermeisterin Felicitas Kubala gemeinsam mit ihrem Amtsleiter Markus Roeingh extra nach Feudenheim gekommen, um noch einmal persönlich eindringlich für die Pläne eines zusammengelegten Grünbetriebshofes zu werben. „Der Standort in Feudenheim ist schön zentral gelegen“, meinte Kubala. Entscheidend bei der Auswahl sei die Nähe zu den bestehenden und zukünftigen Grünflächen gewesen. „Wir liegen hier sehr ortsnah an den Grünflächen, um mit kurzen Wegen gleich vor Ort zu sein“, sagte Kubala. Dadurch könnten die Anlagen im Grünzug Nord-Ost auch intensiver gepflegt und weiterentwickelt werden.

Unhaltbare Zustände

Die bestehenden vier Grünbetriebshöfe Lina-Kehl-Weg, Harrlachweg, Gartenschauweg und Rheinpromenade sind stark sanierungsbedürftig. „Da herrschen Zustände, die so nicht mehr tragbar sind“, so Kubala. Erik Maslow, Mitarbeiter und Mitglied des Gesamtpersonalrats, sprach von stinkenden Abwasserrohren, herumlaufenden Nagetieren und Löchern in den Wänden. „Wir brauchen den Neubau dringend“, sagte er nachdrücklich. Bezirksbeirat Ulrich Schaefer hatte sich mit einigen Mitarbeitern des städtischen Grünbetriebs unterhalten, die seiner Aussage nach einen zentralen Grünhof als „Quatsch“ ablehnten. 

Joachim Günther und Matthias Krause von der Firma Drees & Sommer hatten den zentralen Grünhof auf Spinelli im Auftrag der Stadt auf seinen betriebswirtschaftlichen Nutzen untersucht und dabei mit zwei Varianten verglichen: Der Sanierung und zum Teil Erweiterung aller bestehenden Grünbetriebshöfe und einer Kombination aus kleinerer Anlage auf Spinelli bei Erhalt des Betriebshofs am Lina-Kehl-Weg in Käfertal. Die wirtschaftlichen Zahlen sprachen sowohl bei den Investitions- als auch bei den langfristigen Betriebskosten eindeutig für die zentrale Lösung. Auch bei den qualitativen Variablen schnitt die Zusammenlegung auf Spinelli besser ab. 

Doch die Zahlen konnten nicht überzeugen. Alexander Fleck (CDU) kritisierte die Lage inmitten der Wohnbebauung. „Ich möchte nicht neben einem Grünbetriebshof wohnen“, sagte er. Ein Betriebshof für ganz Mannheim sei Unsinn. „Ein Standort in Feudenheim kommt für die CDU nicht in Betracht.“ Sein Parteikollege Rolf Götz bezeichnete es als „vollkommen irrsinnig“, den Grünbetriebshof nach Feudenheim zu holen. Die Standortwahl sei äußerst mangelhaft ausgeführt. Er schlug ein Areal in Nähe des Rangierbahnhofs im Mühlfeld vor.

Benedikt Zaja (Grüne) sah beim Wegeaufwand im Vergleich zur Beibehaltung der dezentralen Verteilung nur marginale Unterschiede. Auch das höhere Einsparpotenzial von 8 Millionen Euro über 30 Jahre sei kein starkes Argument. Stephan Bordt (Linke) bemängelte, dass das Thema Verkehr in der Untersuchung nur mit 10 Prozent gewichtet worden sei. „Das ist für die Bewohner hier vor Ort das zentrale Thema“, wies er auf das Missverhältnis hin. Hier sei am Bedürfnis der Bürger ganz klar vorbeigeplant worden. „Mit uns ist ein zentraler Betriebshof nur in Feudenheim nicht zu machen“, stellte auch Joachim Kamrad (SPD) klar.

Die anwesenden Stadträte stimmten in den Kanon der Ablehnung mit ein, und auch die Bürger fanden deutliche Worte. „Das ist eine planerische Perversion“, warnte Hans-Jürgen Hiemens von der Bürgerinitiative „Gestaltet Spinelli“ vor massiven Auswirkungen auf die Anwohner. Das künftige Wohngebiet Spinelli-Nord solle in den Buga-Park und das Grünband eingebettet sein. Stattdessen werde der zentrale Zugang durch den geplanten Grünbetriebshof versperrt. „Das ist eine schallende Ohrfeige für die Feudenheimer“, so Hiemens.