„Flächen werden gnadenlos zugeparkt“

13.04.2018 · Presse · Mannheimer Morgen

Waldhof: Bürger ärgern sich über Autos auf Gehwegen / Kaum Platz für Rollatoren und Kinderwagen / Stadt gibt grünes Licht für Verkehrsworkshop

 

Die Bürger auf dem Waldhof haben die Nase gestrichen voll: Rund um den Speckweg sind die Straßen derart zugeparkt, dass Fußgänger kaum an den stehenden Autos vorbeikommen. Ältere Menschen mit Rollatoren oder Mütter mit Kinderwagen müssen auf die Fahrbahn ausweichen, weil sie auf den Gehwegen keinen Platz haben. Obwohl ein Antrag der Freien Wähler/Mannheimer Liste (FW/ML) nach einem Verkehrsworkshop im Gemeinderat keine Mehrheit gefunden hatte, gab die Stadt nun grünes Licht für eine Verkehrsuntersuchung, an die ein solcher Workshop geknüpft ist.

Schon beim Stadtteilspaziergang im November hatten Bezirksbeiräte von Oberbürgermeister Peter Kurz gefordert, für diesen Teil des Stadtbezirks eine tragfähige Verkehrslösung zu finden und fragten an, ob ein Verkehrsworkshop mit Anwohnern und BBR möglich sei. Trotz der Absage an den Antrag teilt die städtische Pressestelle nun auf Nachfrage dieser Zeitung mit: „Die Stadtverwaltung hat die angespannte Parkplatzsituation im Stadtteil Waldhof erkannt und plant daher im Herbst einen Workshop unter Beteiligung der Bevölkerung und des Bezirksbeirats.“ So will die Verwaltung Lösungsvorschläge zur Verbesserung der Parkplatzsituation erarbeiten.

Termin steht noch nicht fest

„Einfließen wird dabei die aktualisierte Parkraumauswertung, die durch den Fachbereich Stadtplanung in den nächsten Monaten durchgeführt wird.“ Ein genauer Termin für den Workshop sei allerdings noch nicht angesetzt: „Diesen werden wir frühzeitig bekannt geben“, so Krasko. Einen Verkehrsentwicklungsplan gebe es für dieses Gebiet nicht, das sei auch nicht geplant: „Der Workshop bezieht sich rein auf die Parkraumsituation.“  

Seit dem Beginn der Arbeiten zur Umgestaltung des Taunusplatzes hatte sich die Lage im Stadtteil noch verschärft. Zudem trägt die Wohnbebauung auf dem ehemaligen Drais-Gelände und die neue Bebauung am Standort der damaligen Klinik Waldhof-Ost zum enormen Parkdruck bei. „In der Rüsselsheimer Straße hat die Stadt Mannheim einen öffentlichen Parkplatz gewinnbringend veräußert und für die Wohnbebauung zur Verfügung gestellt. Auch der ehemals öffentliche Parkraum zwischen Rüsselsheimer Straße und Wetzlarer Winkel wurde den parkplatzsuchenden Besuchern des Pflegeheim Waldhof-Ost entzogen. Und der große Automobilbauer am Standort Waldhof vermag es bislang nicht zuwege zu bringen, für seine tagtäglich parkplatzsuchenden Mitarbeiter ausreichend Stellflächen zur Verfügung zu stellen“, kritisierten die Bezirksbeiräte der FW/ML die Situation.
 
Vor der Post besonders eng
Stefan Höß, Bezirksbeiratssprecher der SPD, ist der Meinung, dass die Vororte generell nicht im Raster der Verwaltung seien: „Wir werden am langen Arm verhungern gelassen, weil die Innenstadt Priorität hat. Die Vororte verkommen, und die Straßen sehen aus, als hätten Bomben eingeschlagen.“ Vor der Post sei es besonders eng, da hätten sogar die RNV-Busse kaum Platz, um die Haltestelle anzufahren. In Seitenstraßen wie Neues Leben und kleiner Anfang müsse man Glück haben, „ohne Unfall aus diesen Straßen auf den Speckweg zu kommen“.
Uwe Grundei von der St. Franziskus-Pfarrei: „Mittlerweile wird in der Stichstraße zur Bahnunterführung am Zaun der Pfarrei so geparkt, dass die regulären Parkplätze kaum noch erreichbar sind.“ Am Taunusplatz seien ab Dezember 2017 Taxi-Parkplätze eingezeichnet worden: „Aber bisher steht hier kein Hinweis auf einen Taxistand, und deshalb sind diese Parkflächen abgesperrt.“

Auch Landolin-Restaurantleiterin Ute Buß ist verärgert: „Da wurde extra der Bordstein abgeschrägt, dass auch mobil eingeschränkte Menschen gefahrlos den Platz queren können, aber auch diese Flächen werden gnadenlos zugeparkt. Mittlerweile ist die Abschrägung durch die Belastung bröckelig. Die Umsätze im Lokal gehen zurück.“ Ilona Köllner wohnt am Atzelhof: „Hier einen Parkplatz zu finden, ist wie ein Sechser im Lotto. Ich parke oftmals vor den Mülltonnen um die Ecke und muss gegen 23 Uhr nochmals raus, um das Auto umzuparken.“