Stadträte kritisieren engen Zeitplan

14.04.2018 · Presse · Mannheimer Morgen

Kulturpolitik: CDU und SPD fordern Grundsatzdebatte über künftige Ausrichtung des Hauses – wollen aber keineswegs an der Existenz rütteln

Der Gemeinderat will eine große Grundsatzdebatte darüber anstoßen, wie das Nationaltheater in Zukunft aussehen soll. Das wurde jetzt im Kulturausschuss deutlich.

Der Anlass war eigentlich klein. Die Bürgerfraktion (früher AfD/Alfa) fragte nach Marktforschungsergebnissen zur Zuschauerentwicklung und -struktur. Aber auch CDU und SPD machten bei der Gelegenheit deutlich, dass sie in diese Richtung zielen. „Im Moment sagen wir: Es ist alles wunderbar und muss so bleiben. Aber ist das Theater auch in 20 Jahren noch so relevant, welche adäquate Antworten geben wir auf die Zukunft?“, fragte Jens Kirsch (CDU). „Wir müssen uns auf eine große Diskussion in der Stadt einstellen, inwieweit wir dieses Projekt schultern“, erklärte Steffen Ratzel (CDU). Dazu brauche man mehr Daten, ein Konzept des Theaters für die Zukunft, verlangte er. Man dürfe nicht davon ausgehen, dass „alles schon beschlossen“ sei: „Ein Projekt, das so immense Mittel bindet, ist nichts, was von alleine läuft“, warnte er.

„Nicht infrage gestellt“

„Nehmen Sie diejenigen ernst, die mit guten Gründen und vor allen Dingen guten Vorsätzen auch andere Wege beleuchten wollen“, appellierte Thorsten Riehle (SPD) an die Stadtspitze und kritisierte: „Es ist in den vergangenen Monaten zu wenig geredet und informiert worden, das muss dringend verändert werden.“ Die Sanierung des Nationaltheaters werde die wohl größte Einzelmaßnahme im Kulturetat der letzten Jahrzehnte, doch noch fehlten wichtige Fakten: „Ich frage mich, ob es überhaupt realistisch ist, dieses unglaublich große Projekt in der verbleibenden Zeit seriös zu diskutieren und zu bewerten.“ Schließlich gehe es darum, „wie das Theater in den nächsten drei bis vier Jahrzehnten aussehen“ und ob sich „der Bedarf an Kapazität verändern wird in einer Gesellschaft, die mehr Alternativen der kulturellen Teilhabe und der Freizeitgestaltung hat“, sagte er.

 

 

„Eher dilettantisch“

Gerhard Fontagnier (Grüne) hielt „die Fragen für berechtigt“, wollte aber „jetzt das Fass noch nicht aufmachen“, weil wichtige Daten fehlten. Man könne die Sanierung aber nicht „en passant beschließen“. Dagegen warnte Achim Weizel (ML) vor einer „Phantomdiskussion“. Natürlich reagiere das Nationaltheater auf die sich wandelnde Gesellschaft. Die Frage eines Neubaus sei „im Grunde nicht relevant, solange wir keine Nutzung für das Altgebäude haben“. Birgit Reinemund (FDP) indes fand „Grundsatzfragen durchaus richtig“ und den Zeitplan der Stadt „erschreckend: Der ist kaum zu halten!“

„Die Bürgerschaft will, dass Sie endlich mal eine realistische Vorgehensweise auf den Tisch legen“, verlangte Norbert Loos, als sachkundiger Einwohner im Kulturausschuss, einen „professionellen Aufgabenkatalog. Bisher wird da eher dilettantisch vorgegangen“, kritisierte Loos. Dem widersprach aber Kulturbürgermeister Michael Grötsch: „Es ist nicht so, dass wir nichts auf die Reihe bekommen“, verwies er auf Neubau und Sanierung der Kunsthalle. Die Sorgen der Stadträte seien „berechtigt, aber nicht begründet“. Es werde „unter Garantie“ keine Entscheidung ohne geklärte Finanzierung geben, versicherte er.