„Widerspricht allen Trends“

17.04.2018 · Presse · Mannheimer Morgen

Klinikum: Freistellung des Pflegedirektors stößt bei Betriebsrat und ML auf Kritik

„Wir können uns vor Anfragen nicht retten! Pflegekräfte, Ärzte, Aufsichtsräte, aber auch andere Kliniken wollen von uns wissen, was es mit dem plötzlichen Auflösen der Pflegedienstdirektion auf sich hat“, schildert Klinikum-Betriebsrat Bernd Gräf die Situation. Hintergrund: Die Doppelspitze der Universitätsmedizin Mannheim (UMM) hat (wie berichtet) den langjährigen Pflegedirektor Hagen Kern freigestellt, weil künftig Pflegedepartments direkt an den Geschäftsführerbereich des Ärztlichen Direktors angebunden werden sollen.

„Die Tatsache, dass die Dienstgruppe mit den meisten Mitarbeitern in der Leitung nicht mehr vertreten ist, widerspricht allen gängigen Trends, die eine Stärkung und Akademisierung der Pflege befürworten“, kritisiert Achim Weizel, Fraktionschef der Freien Wähler/Mannheimer Liste (ML). Die für alle überraschende Entscheidung und ihre Folgen seien auch nicht vorab im Aufsichtsrat diskutiert worden. „Dem Betriebsfrieden ist mit dieser Maßnahmen sicher nicht gedient.“

Heute Protestaktion

Von „ Entsetzen“ bis „Wut“ bei den Mitarbeitern spricht Betriebsrat Gräf. „Andere Krankenhäuser versuchen die Pflege zu stärken. Und hier beraubt man sie ihres Kopfes.“ Heute wollen sich auf Einladung der Mitarbeitervertretung Pflegekräfte verschiedener Bereiche im Foyer treffen, gemeinsam vor die Tür der Geschäftsführung ziehen und dort sowohl gegen die Auflösung der Pflegdirektion und gegen „desolate Arbeitsbedingungen“ protestieren. Gräf: „Wir möchten auch ein Zeichen setzen, dass man so mit Menschen nicht umgehen kann.“ Am Donnerstag nächster Woche plant der Betriebsrat eine Mitarbeiterversammlung, bei der die UMM-Geschäftsleitung die Umstrukturierung der Pflege in Departements ohne eigene Direktion erläutern soll. Vorher will man mit den beiden Geschäftsführern, Jörg Blattmann und Frederik Wenz, das Gespräch suchen. Gräf: „Wir sind ja komplett überrollt worden.“

Und wie stehen andere Großkrankenhäuser zu einer Organisation der Pflege mit Direktion? Das Heidelberger Uniklinikum, bei dem der Pflegedirektor Mitglied des Klinikumvorstandes ist, betont: „Zukunftsweisende Entwicklungen bedürfen eines fachkompetenten, übergeordneten Pflegedirektors“ – insbesondere vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels. Jenseits des Rheins, im Klinikum Ludwigshafen, ist die Pflegedirektorin – wie der ärztliche Direktor – Mitglied des Leitungsdirektoriums. „Wir sind mit dieser Konstruktion hochzufrieden“, kommentiert auf Anfrage Geschäftsführer Hans-Friedrich Günther.

Beim Mannheimer Theresienkrankenhaus (THK) gibt es ebenfalls keine Überlegungen, an der Pflegedirektion als Teil der Krankenhausleitung zu rütteln: Das TKH hat aufgrund von Pensionierung diese Position gerade neu besetzt.