„Können uns nicht auflösen“

17.02.2018 · Presse · Mannheimer Morgen

Sandhofen: Familie Frank soll das Gelände an der Riedspitze räumen / Stadt verhandelt mit den Betreibern

Eine gütliche Einigung mit dem in Sandhofen gestrandeten Zirkus ist nach zwei Jahren Schwebezustand immer noch nicht in Sicht. Die Stadt möchte das Gelände gerne bis April räumen, hat dies der achtköpfigen Großfamilie jetzt mitgeteilt. Doch die Franks wollen so einfach nicht weichen, können sich aber vorstellen, auf ein anderes Grundstück bei verkleinertem Wagen- und Tierbestand umzuziehen.

Es ist trüb an diesem Tag, nasskalt. Der Boden unterhalb der Brücke an der Riedspitze ist aufgeweicht, die Stimmung so mies wie das Wetter: „Wir können uns doch nicht in ein paar Tagen in Luft auflösen“, sagt Alexandra Finckh, Lebenspartnerin von Zirkusbetreiber-Sohn Stefan Frank. Dabei sehen die Franks ein, dass es so nicht mehr ewig weiter gehen kann. Der Platz sei ungeeignet, wenn es regnet sumpfig: kein geeignetes Umfeld für Mensch und Tier, gibt Alexandra Finckh zu. Investitionen seien nötig. Auch beschweren sich Nachbarn, möchte der Wassersportverein Mannheim-Sandhofen das Gelände für Veranstaltungen nutzen.

Wie berichtet, kämpft der Zirkus, der nach einem tragischen Unfall 2015 in Sandhofen strandete, um seine Zukunft. Mit kleinen Auftritten hält sich die Familie seither über Wasser. Enkel und Tierlehrer Fernando Frank überzeugte mit seinen Balance-Akten 2017 bei der TV-Serie „Das Supertalent“ und wird seither immer mal wieder gebucht – zuletzt in Wiesbaden. Dazu tragen Spenden von den vielen treuen Fans, vor allem Familien mit Kindern, zum Überleben bei. 1000 Unterschriften haben die Mannheimer bereits für den Verbleib des Zirkus in der Stadt gesammelt.

Ein Hektar Fläche nötig

An diesem Tag sind Kinder der Schulkindbetreuung der Gustav-Wiederkehr-Schule vorbeigekommen. Sie haben bei der Familienweihnachtsfeier der Freireligiösen Gemeinde Mannheim selbst Gebasteltes verkauft und können nun 200 Euro stolz überreichen. Doch das alles reicht kaum zum Überleben – auch weil Spiele, Ponyreiten oder Ähnliches auf dem Gelände untersagt sind. Geld für Besuche oder Angebote dürfen die Franks auch nicht verlangen. Ein vom Rathaus verlangtes Wirtschaftlichkeitskonzept brachte keinen Durchbruch. Dabei würden die Besitzer liebend gerne dauerhaft in Mannheim bleiben. Von der Stadt würde die achtköpfige Großfamilie, die finanziell auf eigenen Beinen steht, gerne ein Grundstück für sich und die Tiere pachten, um endlich anzukommen. Um Koppelen wechseln zu können, sei dafür eine Fläche von einem Hektar nötig, sagt Finckh. „Die Menschen brauchen dringend eine Heimat und eine wirtschaftliche Zukunft“, ergänzen Michel Bauer und Maik Rügemer von der Bürgerinitiative Neckarstadt, die sich um die Familie kümmern. Fürs Erste wären die Franks froh, die von Fernando Frank lange beantragte und zugesagte Erlaubnis für die Tierzurschaustellung nach Paragraf 11 des Tierschutzgesetztes endlich zu erhalten. „Wir werden da bewusst hingehalten“, sagt Finckh.

Im Gespräch für ein Zukunftskonzept ist eine Kinder- und Jugendfarm – wie sie in anderen Städten existiert. Dort könne der Nachwuchs lernen, dass Tiere keine Ware seien, findet Stadtrat Julien Ferrat. Für die vielen Kindergruppen aus den Stadtteilen sei es „ein absoluter Höhepunkt, in Kontakt mit Pferden und Dromedaren zu kommen“, so die Freien Wähler/Mannheimer Liste. Doch weder für den Zirkus noch für die Nachbarn sei dieser Zustand akzeptabel. Die FW/ML fordert die Stadt auf, ein geeignetes Gelände zur Verfügung zu stellen. „Es wäre angesichts der großen Freude, die die vielen Stadtkinder mit den Tieren erleben, ein Verlust, wenn diese Möglichkeit zukünftig nicht mehr gegeben wäre“, so Stadtrat Achim Weizel.

„Noch sind wir in Verhandlungen und suchen nach einer Lösung“, sagt der Sprecher des Oberbürgermeisters, Ralf Walther.

Kommentar

Chance nutzen


Auf der anderen Seite kann es doch nicht sein, dass man im Rathaus keine Lösung für die Artisten-Familie findet, die den Franks eine wirtschaftliche Perspektive in Mannheim eröffnet. Schließlich hat sich der Tierpark in den zwei Jahren zum Lieblingsort für Kinder aus der Stadt und deren Familien entwickelt. Kaum ein Tag vergeht, ohne das sich begeisterte kleine Fans die Nasen an den Zäunen platt drücken.

Warum also soll es nicht möglich sein, aus dieser glücklichen Fügung eine Win-win-Situation für alle Beteiligten zu machen und ein tiergestütztes pädagogisches Angebot mit Partnern für Mannheim zu entwickeln? Zum Beispiel im Hinblick auf die Bundesgartenschau, der sicher eine derartige Attraktion gut anstünde. Die Stadt sollte diese Chance nicht verpassen