Sauer ist nicht nur der Hering

15.02.2018 · Presse · Mannheimer Morgen

Aschermittwoch Freie Wähler, Linke und AfD beginnen die Fastenzeit mit wenig Nachsicht für ihre politischen Gegner

Verbale Attacken zum Auftakt der Fastenzeit haben beim politischen Aschermittwoch Tradition. Auch die Mannheimer Liste, die Linken und die AfD teilten in Mannheim gestern kräftig aus.

Freie Wähler

Die Mannheimer Liste (Freie Wähler) lud in den VIP-Pavillion des Badischen Rennvereins an der Seckenheimer Waldrennbahn. „Noch nie war diese Veranstaltung so gut besucht wie diesmal“, sagte der stellvertretende ML- Vorsitzende Holger Schmid. Rund 160 Interessierte seien gekommen. Fraktionsvorsitzender Achim Weizel richtete markige Worte an das Land Baden-Württemberg. „Die Städte Freiburg oder Heidelberg bekommen ein Sicherheitspaket und mehr Polizei – und Mannheim? Wir gehen wieder leer aus“, sagte Weizel. Auch zur Flüchtlingsfrage hatte er einige deutliche Worte übrig. „Wir haben als Stadt einen humanitären Auftrag. Aber eine weitere Belastung durch ein Aufnahmezentrum oder durch die Flüchtlingszuweisung ist nicht mehr zumutbar.“

Dirk Lübke, Chefredakteur des „Mannheimer Morgen“, sprach rund 40 Minuten über das Thema „Fake News – Journalismus im Wandel der Zeit“. Der 57-Jährige erläuterte, dass es Falschnachrichten schon seit vielen Jahrhunderten gibt. Er führte dafür etwa die vom „Stern“ veröffentlichten angeblichen Tagebücher des Nazi-Diktators Adolf Hitler an, die 1983 erst als Sensation gefiert, dann als Fälschung enttarnt wurden. Lübke nannte die sozialen Medien mit ungeprüften Lügen und Verleumdungen „gelegentlich unsozial, ab und an sogar asozial“. Als immerwährende Herausforderung für Journalisten in heutigen wie auch in vergangenen Zeiten gilt aber: Sachverhalte und Quellen prüfen, prüfen, prüfen – und erst veröffentlichen, wenn etwas durch seriöse Quellen gesichert ist.

Hans Heiser und Christian Schimanski sowie Supernova im Quadrat umrahmten die Veranstaltung musikalisch.

Die Linke

Gökay Akbulut, Stadträtin und Bundestagsabgeordnete der Linken, nutzte den Abend in der Jungbuschhalle, um vor allem gegen die AfD mobil zu machen. „Diese Partei darf nicht gesellschaftsfähig werden“, sagte sie. Um dem Rechtsdruck entgegenzutreten, sei es notwendig, alle demokratischen Kräfte zu bündeln. „Wir brauchen einen konsequenten Kurs“, forderte die 35-jährige Stadträtin in ihrer Rede. Die AfD sei nicht die so oft propagierte Partei des ’kleinen Mannes’. „Und deswegen müssen wir in die Stadtteile gehen und uns inhaltlich mit den AfD-Wählern auseinandersetzen und den Dialog suchen“, sagte sie.

Auch für die große Koalition und die Türkei-Politik fand sie deutliche Worte. „Wir sind eine Friedenspartei und wir wollen keine Teestündchen mit Präsident Erdogan“, sagte Akbulut. Aufgelockert wurde der Abend durch die Kabarettistin Christa Mayerhofer und Musik von Divine Chords.

AfD

Steffen Königer, AfD-Landtagsabgeordneter aus Brandenburg, holte als Gastredner im Feudenheimer Schützenhaus zu einem politischen Rundumschlag aus. „Am Aschermittwoch darf es ruhig mal kräftiger knallen“, sagte er vor seiner etwa 20-minütigen Rede.

In der bekamen dann die Politiker Christian Lindner (FDP), Martin Schulz, Andrea Nahles (beide SPD) und viele andere ihr Fett weg. „Ich nenne die Groko eigentlich nur noch ’Gro-K.o.’ – weil sie unser Land doch völlig ausgeknockt hat“, sagte der Abgeordnete. Bundesweit aufgefallen war Königer durch seine Landtagsrede über den „Genderwahnsinn“. Die „Giftgrünen“ mit ihrem „Gendermainstream und ihrer Sprachpolizei“ kritisierte er auch gestern.

Besonders heftig ging der brandenburgische Abgeordnete mit den neuen geplanten Regelungen zum Familiennachzug ins Gericht. „1000 Personen pro Monat – da kann man doch irgendwelche Nullen hintendran schieben“, sagte er. „Die haben doch alle Mathe abgewählt.“