"Das war eine absolut richtige und wertvolle Initiative"

12.10.2017 · Termine · Mannheimer Morgen

Reaktionen Viele Vertreter aus der Kulturszene bedauern die Entscheidung des Oberbürgermeisters

Mannheim.Vor gut einem Jahr war er noch optimistisch. "Auch wenn ich dafür im Moment im Gemeinderat keine Mehrheit sehe - ich will die Diskussion noch einmal führen", plädierte Oberbürgermeister Peter Kurz im Juli 2016 bei einer SPD-Veranstaltung für einen neuen Anlauf, sich 2025 als Europäische Kulturhauptstadt zu bewerben. Doch jetzt ist das Thema zu den Akten gelegt. "Eine erfolgreiche Bewerbung setzt eine Geschlossenheit und Begeisterung in Politik und Gesellschaft voraus, die eher in Frage steht", begründete Kurz dies in seiner Etatrede.

"Er hat die Idee sicher aus rationalen Gründen wieder aufgegeben, was ich sehr bedaure", so Burkhard C. Kosminski, Schauspielintendant des Nationaltheaters. Kosminski hofft, "dass der Gemeinderat den OB wieder umstimmen wird" und verteidigt diese "für Stadt und Region absolut richtige und in vielerlei Hinsicht wertvolle Initiative".

"Von Anfang an torpediert"

"Mit einem weinenden Auge" reagiert Kunsthallen-Direktorin Ulrike Lorenz. Aus ihrer Sicht "hätte die Kulturhauptstadt objektiv ein riesiges Potenzial gehabt und unseren Start in eine neue Ära von deutschlandweiter und europäischer Strahlkraft enorm befeuert", ist Lorenz überzeugt. Neue Kunsthalle und Kulturhauptstadt - "das wäre eine wirkliche Win-Win-Situation gewesen, hätte uns gemeinsam vorangebracht und bereichert", findet Lorenz die Entscheidung "schade".

"Wenn die Bewerbung bedeutet, dass eine ganze Stadt sich umkrempelt, Kunst und Kultur neu entdeckt, ist es schade, die Idee aufzugeben", meint Michael Kötz, Präsident der Freien Akademie der Künste und Direktor des Internationalen Filmfestivals. "Wenn es auf ein Mehr an angeberischer Repräsentation hinausgelaufen wäre oder auf moderne Stadtreklame, dann darf es getrost entfallen", stichelt er. Es entfalle "jetzt aber aus bloß praktischen Gründen und damit entfällt auch die wichtige Diskussion - darum schade", so Kötz.

"Ich bedauere das sehr", reagiert Peter Baltruschat, Chef vom Kulturnetz, auf die Absage. Ihn hätten die Möglichkeiten auf dem Weg zu einer Bewerbung "schon immer fasziniert", während "ein großer Teil der Lokalpolitik diese visionäre Idee von OB Kurz von Anfang an torpediert hat", kritisiert er: "Nur die wenigsten konnten oder wollten erkennen, dass bei so einem großen und langfristig angelegten Vorhaben, egal wie es ausgeht, der Weg das Ziel ist", so Baltruschat.

"Wichtig für mich war immer, den Weg zur Kulturhauptstadt zu entwickeln, nicht der Titel an sich", meint indes Thorsten Riehle, Capitol-Geschäftsführer. "Wenn wir es schaffen, die Stadt mit Hilfe der Kultur weiter positiv zu verändern, finde ich die Abkehr zum jetzigen Zeitpunkt, der große finanzielle Herausforderungen wie das Nationaltheater bereit hält, richtig", so Riehle. Man dürfe "nur den eingeschlagenen Weg nicht verlassen", etwa die Bündelung der Kreativszene durch die Gründerzentren und kulturelle Inhalte bei der Bundesgartenschau.

Dagegen begrüßt Achim Weizel, Vorsitzender der Freunde und Förderer des Nationaltheaters, "den überfälligen Entschluss". "Trotz erheblicher Ausgaben war es bisher nicht gelungen, Mannheim erfolgversprechend in der Bewerbung zu positionieren", hielt er "eine Fortführung nicht sinnvoll", zumal die Stadt neben der Buga kein zweites Großprojekte bewältigen könne.

"Ich kann seine Argumente nachvollziehen - trotzdem schade", kommentiert Thomas Kraus, Leiter des Kulturbüros der Metropolregion, die Entscheidung von Kurz. "Die Verschiebung auf 2025 hat sicher geschadet, aber eigentlich war alles vorbereitet, die Region stand fest dahinter", so Kraus. Die regionale Kulturvision werde aber weiter verfolgt.