Bücher statt Parkplätze?

12.10.2017 · Presse · Mannheimer Morgen

Bildung: Drei Szenarien für die Stadtbibliothek liegen auf dem Tisch, darunter ein Neubau auf N 2 / Entscheidung soll 2018 fallen

Mannheim.Über die Zukunft der Stadtbibliothek wird schon seit etlichen Jahren geredet und gestritten, richtig Bewegung war aber selten in der Sache. Doch plötzlich könnte es jetzt schnell gehen. Oberbürgermeister Peter Kurz hat in seiner Etatrede am Dienstag erstmals im Gemeinderat eine völlig neue Möglichkeit ins Spiel gebracht: einen Neubau im Quadrat N 2. Damit liegen jetzt drei unterschiedliche Vorschläge auf dem Tisch.

Die städtische Tochtergesellschaft MPB besitzt dort ein Parkhaus. Das müsste dann möglicherweise abgerissen und durch einen Bibliotheksneubau ersetzt werden. Kurz sagte in seiner Rede, der Neubau könne "auf N 2 über unsere städtische Tochter MPB geschehen" - das legt nahe, dass die Stadt selbst nicht der Bauherr wäre, sondern das Haus von der MPB mieten würde.

Der Vorteil wäre, dass die Kommune die Baukosten nicht im Haushalt unterbringen müsste. Solche Konstruktionen wählt Mannheim derzeit oft, etwa beim Technischen Rathaus oder dem Stadtarchiv Marchivum, hier baut jeweils die Tochtergesellschaft GBG. Auf eine Nachfrage dazu wollte die Stadt gestern aber keine näheren Auskünfte geben. Als Orientierung für die Baukosten könnte die Summe von rund 30 Millionen Euro dienen, sagte ein Rathaussprecher.

Zurzeit ist die zentrale Stadtbibliothek im Stadthaus N 1 und im nahegelegenen Dahlberghaus untergebracht. Schon seit langem aber zeichnet sich ab, dass das Stadthaus auf Dauer kein geeignetes Zuhause ist: zu wenig Platz, zu unflexibel, zu unmodern. Auch durch einen Umbau könnte das Stadthaus nur schwer zur guten Bibliothek werden - ganz davon abgesehen, dass dieser Eingriff trotzdem sehr teuer wäre. Das hat ein Gutachten ergeben.

Politisch umstritten

Bekannt ist auch ein Gutachten über einen möglichen Standort der Stadtbibliothek am Alten Meßplatz. Die Neckarstadt ist schon seit vielen Jahren als mögliche neue Heimat für die Bibliothek im Gespräch. Kurz selbst hatte die Idee einer großen Kultureinrichtung dort am Alten Meßplatz immer unterstützt. Vor allem auch, um den Stadtteil aufzuwerten. Nun plädiert er dafür, dass dort "die Einrichtung einer anderen kulturellen Einrichtung" geklärt werden müsse.

Denn besonders die SPD - die eigene Partei von Kurz - hatte sich bislang auf die Neckarstadt festgelegt. Man befürworte einen Neubau, sagte SPD-Fraktionschef Ralf Eisenhauer gestern auf Nachfrage, und zwar einen in der Neckarstadt. Die neue Studie liege ihm aber nicht vor und überhaupt habe Kurz "in seiner Rede dazu insofern nichts Neues gesagt, da der Standort in N 2 als weitere Alternative seit einiger Zeit geprüft wird, ohne explizit von ihm präferiert zu werden", so Eisenhauer. Allerdings hatte Kurz sehr wohl gesagt, dass er sich N 2 als Standort vorstellen könnte, wenn es keinen anderen Konsens gibt. Andere Stellen erwähnte er nicht.

"Beide Standorte denkbar"

Für die CDU begrüßt Claudius Kranz die neue Möglichkeit in N 2: "Wir haben uns immer für die Innenstadt als Standort ausgesprochen." Eine Aufwertung des Alten Meßplatzes sei wichtig, für die Bibliothek müsse es aber zuerst um einen guten Ort gehen. Den Zeitplan - Entscheidung 2018, Neubau bis 2022 - hält Kranz zwar für ambitioniert. Dass die Politik sich aber im nächsten Jahr zu einer Entscheidung durchringe, dagegen spreche eigentlich nichts.

Ja zum Neubau, Standortfrage noch offen - so positionieren sich die Grünen. "Grundsätzlich sind für unsere Fraktion beide Stellen denkbar. Wichtig ist uns immer gewesen, dass auch der zukünftige Standort möglichst gut erreichbar sein muss", sagt Fraktionschef Dirk Grunert. Doch schnell solle es gehen, "wir wollen baldmöglichst mit dem Neubau beginnen."

"Wir sind da offen, es ist ja noch gar nichts entschieden", sagte Achim Weizel von der Mannheimer Liste. "Es gibt eine Kommission, die sich mit den Vorschlägen befasst, dort sehen wir weiter." Der Wegfall von Parkplätzen erscheine ihm aber nicht sinnvoll, sagte Weizel.