"Parteipolitik hat keine Rolle gespielt"

30.09.2017 · Presse · Mannheimer Morgen

Politik: Fraktionen loben Berufung von Südmersen - außer der ML

Unter den Gemeinderatsfraktionen gibt es Zustimmung zum Beschluss, Carsten Südmersen in die Stadtverwaltung zu holen - mit einer Ausnahme. Der Aufsichtsrat der städtischen Holding MVV GmbH hatte gestern entschieden, dass der frühere CDU-Fraktionschef die Gesellschaft als Geschäftsführer ab Januar 2018 übernehmen soll. Südmersen ist Anfang des Jahres aus dem Gemeinderat ausgeschieden, dem er zuvor 17 Jahre angehört hatte.

Hintergrund ist eine Umstrukturierung städtischer Gesellschaften: Künftig soll es eine Holding geben, zu der mehrere Verkehrsbetriebe gehören. Für diese Holding wollte Oberbürgermeister Peter Kurz künftig einen hauptamtlichen Geschäftsführer - und das ist jetzt Südmersen.

Diskussionen über Zeitpunkt

"Er ist der richtige Mann", sagt Claudius Kranz, Südmersens Nachfolger als CDU-Fraktionschef, gestern auf Nachfrage. "Wenn es darum geht, jemanden zu finden, der betriebswirtschaftliche Fähigkeiten, IT-Kompetenzen hat und die Kommunalpolitik kennt - dann ist das Carsten Südmersen", sagte Kranz. "Parteipolitik hat dabei keine Rolle gespielt." Auch von der SPD kommt Zustimmung. Man habe breit über die Grundzüge der Umstrukturierung diskutiert, sagt Fraktionschef Ralf Eisenhauer. "Südmersen kann die Aufgabe sicher erfüllen." Es sei zudem sinnvoll, dass er Kentnisse aus der Kommunalpolitik mitbringe, "die formalen Qualitäten hat er sowieso". Südmersen hat Betriebswirtschaft studiert und arbeitet seit über 20 Jahren bei einer Unternehmensberatung, die sich auf Softwareeinführungen spezialisiert hat.

"Wir schätzen Herrn Südmersen und denken, dass er geeignet ist für die neuen Aufgaben", sagt Dirk Grunert, Fraktionschef der Grünen. Es könne zudem nicht sein, dass ein guter Kandidat nicht zum Zuge komme, nur weil er zuvor in der Politik tätig war. "Wir hätten uns aber eine ausführlichere Debatte gewünscht, ob jetzt überhaupt schon ein weiterer hauptamtlicher Geschäftsführer nötig ist", so Grunert.

Scharfe Kritik kommt dagegen von der Mannheimer Liste. "Wenn in der Öffentlichkeit der Eindruck entsteht, dass man durch politisches Wohlverhalten gut dotierte Stellen bei der Stadt Mannheim erhalten kann, ist dies gerade die Art von Politik, die in der Bevölkerung auf Ablehnung stößt", sagt der Fraktionsvorsitzende Achim Weizel.

Nach Angaben der Stadt hat eine Personalberatungsgesellschaft Südmersen als hauptamtlichen Geschäftsführer empfohlen. bro

Kommentar: Gut mit Beigeschmack

 

Dirk Lübke über die Personalie mit Carsten Südmersen

Es kann eine gute Idee sein, wenn eine Stadt Kräfte bündelt und mehrere Gesellschaften unter ein Dach kommen. Es kann auch gut sein, wenn eine Stadt das Thema Digitalisierung vorantreiben will - sei es in den Parkhäusern, am Flughafen, im öffentlichen Personennahverkehr. Gut digitalisiert zu sein, ist ein Vorteil im Wettbewerb.

Ob Carsten Südmersen der richtige Mann für diese neue Stelle ist, wird sich erst zeigen müssen. Die Schuhe, die ihm hingestellt werden, könnten sich enorm auswachsen. Es bleibt - bei allem Respekt - trotzdem ein fader Beigeschmack bei dieser Personalie.

Jahrelang haben Oberbürgermeister Peter Kurz und die SPD sich mit der CDU in vielen Sachfragen arrangiert, haben Themen durchgesetzt und durchgeboxt. Sie haben sich oft sozusagen großkoalitionär an vielen Stellen schadlos gehalten. Dass nun ausgerechnet der langjährige Fraktionsvorsitzende der CDU - Südmersen war das von 2004 bis Ende 2016 - diesen Geschäftsführer-Job bekommt, mutet wie ein Dankeschön oder wie eine späte Belohnung für die CDU an. Ob Südmersens Einfluss auf die CDU noch so groß ist, dass er seine Partei im Sinne von Oberbürgermeister Peter Kurz der SPD zugewandt - oder gar geschmeidig - hält, das wird sich erst zeigen müssen. Der neue starke Mann der CDU, Nikolas Löbel, und Carsten Südmersen gelten nicht mal als "ziemlich beste Freunde".