Tunnel oder Umfahrung - Bahn soll Möglichkeiten prüfen

27.09.2017 · Presse · Mannheimer Morgen

Lärm Rathaus fordert, den Riedbahn-Ausbau "zurückzustellen", bis genauere Erkenntnisse über künftige Verkehrsströme vorliegen

Auf den Infoveranstaltungen der Bürgerinitiativen (BI) war zuletzt häufig davon zu hören: Von Zuglärm geplagte Anwohner berichteten über quietschende Bremsen, im Schrank wackelndes Geschirr und darüber, dass sie nachts keinen Schlaf finden: Der von der Deutschen Bahn geplante Ausbau der östlichen Riedbahn macht vielen Angst, weil er noch mehr Güterzüge auf die Strecke bringen wird. Die BI sammeln fleißig Einwendungen gegen die Pläne. Jetzt hat sich auch die Stadtverwaltung positioniert.

Sie will den Ausbau verschieben - bis es ein Konzept darüber gibt, auf welchen Routen insbesondere der Güterzugverkehr in Zukunft durch Mannheim rollt. Dazu gehört auch, die Möglichkeit eines Tunnels oder einer Umfahrung für Güterzüge zu prüfen. Das fordert das Rathaus von der Bahn in einer Stellungnahme zum Ausbau, über die am 5. Oktober auch die Stadträte im Hauptausschuss abstimmen sollen.

Die Deutsche Bahn hat vor, auf einer Länge von zwei Kilometern zwischen Hauptbahnhof und nördlichem Neckarufer ein zweites Gleis aus früheren Zeiten wieder instandzusetzen (siehe Grafik). Dabei will man auch die drei Eisenbahnbrücken über die Wilhelm-Varnholt-Allee, über die Seckenheimer Landstraße am Carl-Benz-Stadion und über die OEG-Schienen am Paul-Martin-Ufer teilweise erneuen. Außerdem soll eine S-Bahn-Station in Neuostheim entstehen, dazu in dem Stadtteil eine rund 660 Meter lange und bis zu vier Meter hohe Lärmschutzwand.

Güterzüge auf ICE-Strecke

Bürgerinitiativen argumentieren schon lange, der Ausbau der östlichen Riedbahn sei ein "Türöffner" für mehr Güterzugverkehr. Tatsächlich geht die Bahn in ihren Planungsunterlagen neben den täglich 38 S-Bahnen, die neu auf der Strecke fahren sollen, in einer Prognose für das Jahr 2025 auch von 156 Güterzügen aus. Derzeit sind es 86. Wenn in der Zukunft einmal die derzeit ebenfalls geplante ICE-Neubaustrecke nach Frankfurt in Betrieb ist, rechnen die Anwohner mit noch mehr Verkehr. Denn die Bahn hat bereits angekündigt, auf dieser ICE-Strecke nachts Güterzüge fahren zu lassen.

Für den Riedbahn-Ausbau läuft derzeit das sogenannte Planfeststellungsverfahren. Die Pläne sind bis 10. Oktober öffentlich einsehbar. Betroffene Bürger haben bis 24. Oktober die Möglichkeit, Einwendungen dagegen zu formulieren. Danach werden bei einem sogenannte Erörterungstermin alle Einwendungen gegeneinander abgewogen und möglicherweise Änderungen an den Plänen vorgenommen.

Für dieses Planfeststellungsverfahren hat die Stadt jetzt ihre 19-seitige Stellungnahme formuliert. Sie wird darin grundsätzlich. Es gehe hier nicht nur um ein Streckenteilstück, argumentiert die Verwaltung. Der Ausbau schaffe vielmehr "die Grundlage dafür, künftig in erheblichem Umfang weiteren Güterverkehr auf der östlichen Riedbahn durchzuführen - mit der Konsequenz einer steigenden Lärmbelastung der hiervon betroffenen Stadtteile". Dazu zählt die Stadt nicht nur die unmittelbar am Streckenabschnitt gelegenen wie Neuostheim und Neuhermsheim. Sondern ausdrücklich auch Käfertal, Waldhof und Schönau, weil dort die Züge ebenfalls vorbeirollen.

"Man würde Fakten schaffen"

Die Verwaltung fordert deshalb, die Entscheidung über den Riedbahn-Ausbau "zum gegenwärtigen Zeitpunkt zurückzustellen - und zwar so lange, bis eine grundsätzliche Klärung hinsichtlich der Trassenvarianten und der Verkehrsführung, speziell des Güterverkehrs, im Bereich der Stadt Mannheim erfolgt ist".

In diesem Zusammenhang verweist die Stadt auf eine Untersuchung zum Bahnknoten Mannheim. Die wird derzeit - mit Blick auf die geplante ICE-Neubaustrecke - von Bahn und Verkehrsministerium erarbeitet. Mitte 2018 soll sie vorliegen. "Erst auf Basis der Knotenuntersuchung kommt die Planung von Trassenvarianten, deren Bewertung und eine Präferenzentscheidung in Betracht." Ganz explizit spricht sich das Rathaus für die Prüfung von drei Varianten "für die künftige Lenkung des Güterverkehrs" aus. Erstens: einen Tunnel zwischen Schönau und Rangierbahnhof, gegebenenfalls auch als Trog mit einem Überbau im Bereich der Schönau. Zweitens: ein Tunnel zwischen Käfertal und Rangierbahnhof. Und drittens: eine Umfahrung für Güterzüge, die nicht in Mannheim halten müssen.

Martina Irmscher von der Initiative "Gesundheit statt Bahnlärm in Mannheim" freut sich über die Positionierung der Stadt: "Das dürfte bei vielen Bürgern für Erleichterung sorgen. Erst muss man wissen, was mit Blick auf die Verkehrsströme gebraucht wird. Dann kann man sich mögliche Trassen überlegen." Auch Albert Bühler von der Initiative "Neuhermsheim ohne Bahnlärm" ist zufrieden: "Wenn die Riedbahn jetzt ausgebaut würde, dann würde man Fakten schaffen, und der Verkehr würde über diese Strecke rollen." Erst nach einer Untersuchung des Bahnknotens könne man die Verkehrsströme nachvollziehen, die von der ICE-Neubaustrecke ausgingen. Die Initiative Lärmschutz Neuostheim 2013 trägt es ebenfalls mit, zunächst den Bahnknoten zu prüfen, wie Mitglied Martin Steinbrenner erklärt. "Aber Lärmschutz für Neuostheim muss zügig kommen, mit oder ohne zweitem Riedbahn-Gleis. Wir warten schon lange."