"Geforderte Aussetzung ist richtig"

05.10.2017 · Presse · Mannheimer Morgen

Riedbahn-Ausbau "Pro Bahn" und Politik unterstützen Position der Verwaltung / Freie Wähler hätten sich früheres Handeln gewünscht / Heute Thema im Hauptausschuss

Neben den Fraktionen des Gemeinderats unterstützen auch der Fahrgastverband "Pro Bahn" Rhein-Neckar und der SPD-Landtagsabgeordnete Boris Weirauch die Position der Stadtverwaltung zum Riedbahn-Ausbau. Die Rathausspitze verlangt von der Deutschen Bahn, das Projekt zurückzustellen, bis ein Gesamtkonzept zum zukünftigen Verlauf des Bahnverkehrs durch Mannheim vorliegt. Über die Stellungnahme sollen heute die Stadträte in der Sitzung des Hauptausschusses (16.30 Uhr, Stadthaus) abstimmen. Den bisherigen Erklärungen der Fraktionen zufolge ist eine deutliche Zustimmung zu erwarten.

"Die geforderte Aussetzung des laufenden Planfeststellungsverfahrens bis zum Vorliegen der Kapazitätsuntersuchungen zum Knoten Mannheim ist richtig", erklärt Andreas Schöber, erster Vorsitzender von "Pro Bahn" Rhein-Neckar und Vorstand des Umweltforums. Diese Untersuchung soll im Sommer 2018 vorliegen. Anwohner fürchten, dass eine ausgebaute Riedbahn in den nächsten Jahrzehnten zur zentralen Strecke für Güterverkehr durch Mannheim werden könnte. Daher begrüßt "Pro Bahn" auch, dass die Stadt die Prüfung einer Umfahrung für Transitgüterzüge fordert, "die dem verständlichen Wunsch der Bürger nach Lärmreduzierung entgegenkäme". Auf der östlichen Riedbahn soll künftig, mit einem Haltepunkt in Neuostheim, auch die S-Bahn fahren, was "Pro Bahn" unterstützt. "Diese muss aber mindestens einen 30-Minuten-Takt beinhalten, damit ein (. . .) attraktives Angebot vorliegt."

Den S-Bahn-Ausbau unterstützt auch der Abgeordnete Weirauch. "Aber eben nicht um jeden Preis", wie er betont. Er will nicht, dass "noch mehr Güterzüge" durch die Stadt fahren. In einem Brief an den Konzernbevollmächtigten der Bahn habe er deshalb "eine klare Aussage der Bahn zum Güterverkehr über 2025 hinaus" gefordert. Das Planfeststellungsverfahren zum Riedbahn-Ausbau liefere dazu keine verlässlichen Angaben. "Hier muss die Bahn Klarheit schaffen."

Die Fraktion der Freien Wähler/Mannheimer Liste wies noch einmal darauf hin, sie stelle schon seit dem Jahr 2015 Anträge, die auf die Problematik des Riedbahn-Asubaus und der daraus resultieren Zunahme des Güterverkehrs hinwiesen. Die Bahn habe den Riedbahn-Ausbau mit der Verbesserung des S-Bahn-Verkehrs begründet. Die Freien Wähler werfen der Stadtspitze vor, das "ungeprüft akzeptiert" zu haben. Die zusätzlichen S-Bahn-Züge könnten nach Ansicht der Freien Wähler auch auf der bisherigen Strecke untergebracht werden.

Die drei Mannheimer Bürgerinitiativen gegen Bahnlärm hatten vergangene Woche die Stellungnahme aus dem Rathaus begrüßt. In einem Offenen Brief an die Stadtspitze betont das eine der Gruppen, die Initiative "Neuhermsheim ohne Bahnlärm", jetzt vor der Ausschusssitzung noch einmal. Sie fordert allerdings, in die Stellungnahme noch ein paar zusätzliche Punkte aufzunehmen: So spricht sie sich unter anderem ebenfalls für eine S-Bahn-Taktung von mindestens 30 Minuten aus, einen - bisher nicht vorgesehenen - barrierefreien Zugang zum Halt Neuostheim sowie transparente Lärmschutzwände an der Hermsheimer Straße zwischen Neuhermsheim und Neuostheim.